TI 2.0: Gematik-Gesellschafter gehen auf die Barrikaden

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Berlin - Die Gematik hat sich mit der Veröffentlichung ihrer Pläne zu einem grundlegenden Umbau der Telematikinfrastruktur (TI) massiven Unmut ihrer Gesellschafter zugezogen. In einem Protestschreiben an Geschäftsführer Dr. Markus Leyck Dieken werfen sie der Gematik vor, damit „unangekündigt und explizit“ gegen einen Beschluss der Gesellschafterversammlung verstoßen zu haben. Mit der Veröffentlichung der Umbaupläne sei die Gematik den Berufsvertretungen in den Rücken gefallen, die es ohnehin äußerst schwer hätten, ihre Mitglieder vom Nutzen der TI zu überzeugen.

In der Gematik hängt der Haussegen gehörig schief. Am 21. Januar hatte die mehrheitlich dem Bund gehörende Gesellschaft nämlich ein Whitepaper veröffentlicht, in dem sie den geplanten Umbau der TI hin zu einer TI 2.0 erläutert, die auf zeitgemäßen Konzepten zur digitalen Vernetzung des Gesundheitswesens basieren soll. „Die TI muss sich weiterentwickeln, denn sie basiert auf den Überlegungen, Designentscheidungen und Prämissen der 2000er-Jahre“, heißt es darin. Statt sich mit Konnektoren in ein geschlossenes Netz einzuwählen, soll ein gesichertes digitales Netzwerk über den normalen Internetzugang erreichbar sein. HBA und SMC-B sollen weitestgehend durch eine „eID“ ersetzt werden, die anwendungsübergreifende Versorgungsprozesse mittels Single Sign-on ermöglicht.

Dass dieses Konzept an die Öffentlichkeit dringt, war nach Aussage der Leistungserbringerorganisationen allerdings nicht geplant. Ganz im Gegenteil hätten die Gematik-Gesellschafter fast zwei Monate vor der Veröffentlichung auf der Gesellschafterversammlung einstimmig beschlossen, die Machbarkeitsanalyse zu erstellen, aber eben nur den Gesellschaftern vorzustellen. Daran habe sich die Gematik nicht gehalten – und den Verbänden damit das Leben schwergemacht. Denn deren Mitglieder seien ohnehin alles andere als begeistert von der staatlich vorgeschriebenen Digitalisierungsinitiative. „Die fatalen Auswirkungen der von der Gematik vorgenommenen vorschnellen und dem Beschluss entgegenstehenden Veröffentlichung des Whitepapers sind an den Reaktionen in der Öffentlichkeit, der Presse und nicht zuletzt den zahlreichen Anfragen der ‚Betroffenen‘, also der Leistungserbringer aller Sektoren zu sehen“, heißt es in dem Schreiben, das APOTHEKE ADHOC vorliegt.

Ärzte, Zahnärzte und Kliniken würden sich erbost an ihre Verbände wenden und fragen, ob es überhaupt noch Sinn macht, sich das Equipment für die TI zuzulegen, wenn dessen Abschaffung ohnehin schon beschlossen sei, so der Brief an Leyck Dieken im Namen der Bundesärztekammer (BÄK), der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), der Abda, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), dem GKV-Spitzenverband und dem Verband der Privaten Krankenversicherung erhalten hat. Die einzigen Leistungserbringer, deren Proteste seitens ihrer Vertretung nicht explizit beschrieben werden, sind die Apotheker.

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