E-Rezept als Negativbeispiel: Ärzte wollen mehr Mitspracherecht

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Berlin -

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) blickt kritisch auf die geplante Weiterentwicklung der Telematikinfrastruktur (TI) und fordert künftig mehr Mitspracherecht. Die KBV stelle „klare Anforderungen“ an Gematik und Bundesgesundheitsministerium (BMG): „Der technische und finanzielle Aufwand für die Praxen darf nicht steigen“, so Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel. Das E-Rezept sei ein Beispiel dafür, wie es nicht laufen dürfe: Es werde trotz aller Warnungen ohne ausreichende Tests eingeführt.

Die Einführung der TI 2.0 ist beschlossene Sache: Ende September hat der Gesellschafterrat der Gematik grünes Licht gegeben, die jetzige geschlossene Infrastruktur zu öffnen und ab 2025 auf elektronische Identitäten und aus dem freien Internet zugängliche Dienste statt auf Konnektoren und Karten zu setzen. In der Ärzteschaft löst das keine Euphorie aus. Offenbar aus den bisherigen Erfahrungen bei der Einführung von E-Rezept, elektronische Patientenakte (ePA) und elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) heraus warnt die KBV bereits jetzt, dass es diesmal einvernehmlicher laufen müsse.

„Wir haben dem Beschluss der TI 2.0 deshalb nur unter einer Bedingung zugestimmt“, so Kriedel. „Jeder wesentliche Schritt muss mit der Gesellschafterversammlung abgestimmt werden.“ Der Umbau der TI müsse dazu führen, dass digitale Anwendungen für alle einfacher nutzbar werden, sowohl für die Ärzte und Psychotherapeuten als auch für die Patienten. „Für uns liegt der Fokus auf der Versorgung“, betonte er. Es müsse dabei außerdem sichergestellt sein, dass die Gematik die Verantwortung für den Betrieb der TI übernehme.

Sorge um weitere Kosten

Kriedel befürchtet, dass vor allem der Umbau der Sicherheitsinfrastrukur neue Kosten verursachen könnte, die dann auf die Leistungserbringer umgeschichtet werden. Die Gematik will eigenen Angaben zufolge über das Prinzip eines „Zero Trust Network“ den sicheren Zugang zu den TI-Anwendungen gewährleisten und somit die gesamte Bandbreite der Ende-zu-Ende-Absicherung einsetzen. Konnektoren würden dann wegfallen – was in den Praxen dann eine zusätzliche Absicherung erforderlich machen könnte. „Unsere Position hierzu ist klar: Die Kosten und die Verantwortung für eventuell zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen dürfen nicht auf die Ärzte und Psychotherapeuten abgewälzt werden“, so Kriedel. „Die Betriebsverantwortung muss bei der Gematik liegen.“

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