E-Rezept: Keine Komplett-Einführung am 1. Januar

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Berlin - Das E-Rezept kommt am 1. Januar – aber nicht so, wie sich das die meisten bisher wohl vorgestellt haben. Statt mit einem großen Aufschlag werden die elektronischen Verordnungen ab Januar schrittweise eingeführt, das Muster-16 bleibt also vorerst erhalten, erklärt Christian Klose, Leiter der BMG-Unterabteilung „Gematik, Telematikinfrastruktur, E-Health“. Im Interview mit APOTHEKE ADHOC fordert er die Spitzenorganisationen der Leistungserbringer auf, sich aktiver einzubringen – die E-Rezept-Erprobung könnte demnach transparenter ablaufen, wenn DAV, KBV & Co. ihre Mitglieder besser informieren würden.

ADHOC: Sind Sie enttäuscht, dass es beim E-Rezept so schleppend vorangeht?
KLOSE: Wie bei Digitalisierungsprojekten sinnvoll, startet auch das E-Rezept nicht von einem Tag auf den anderen, sondern Schritt für Schritt. Das sollten wir bei der Bewertung solcher Projekte immer bedenken. Da drückt man nicht auf den Startknopf und hat die perfekte Lösung. Digitalisierung ist vielmehr ein permanenter Weiterentwicklungsprozess. Diesen Gedanken spiegelt auch die Gesetzgebung in dieser Legislaturperiode wider. Wir haben viele Gesetze zur Digitalisierung auf den Weg gebracht, aber nicht das eine große Digitalisierungsgesetz. Das macht im Übrigen auch Sinn, um nicht zu schnell zu viel zu verändern. Außerdem gibt das schrittweise Vorgehen Gelegenheit, Gesetze anzupassen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Das gilt auch für die Technik. Ich habe nicht die Erwartungshaltung, dass wir am 1. Januar auf den Knopf drücken und jeder bekommt ein E-Rezept. Sondern wir starten mit einem Prozess, der dann deutschlandweit nutzbar ist. Natürlich wird es Ärztinnen und Ärzte geben, die E-Rezepte noch nicht ausstellen können, weil ihre Software das noch nicht hergibt und ihr Anbieter das erst mit dem nächsten Quartalsupdate liefert. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass es keinen Sinn macht, auf den Letzten zu warten und dann erst zu starten. Denn bis dahin ist die Technik veraltet.

ADHOC: Wie viele Anbieter werden am 1. Januar in der Lage sein, E-Rezepte zu generieren?
KLOSE: Ich hoffe, dass wir mit einer großen Anzahl der Leistungserbringer starten. Wir erhalten bisher die Rückmeldung, dass die großen PVS-Anbieter rechtzeitig startbereit sein werden. Und das ist bei den Apotheken und den Krankenkassen nicht anders. Die Kette steht. Das E-Rezept kann starten. Die Ärzte sind gesetzlich verpflichtet, E-Rezepte auszustellen. Es gibt allerdings im Gesetz extra eine Ausnahmeregelung, die greift, wenn es technisch nicht möglich ist, E-Rezepte zu erstellen. Das fokussiert natürlich primär auf Störungen, die es hoffentlich nie geben wird, aber natürlich geben kann. Diese Regelung wird in der Anfangsphase aber auch greifen, wenn ein Praxisverwaltungssystem noch nicht in der Lage ist, E-Rezepte zu erstellen. Dass wir die Testphase verlängert haben, hat übrigens hauptsächlich damit zu tun, dass wir zu wenig Praxisbeispiele hatten. Momentan arbeiten wir hauptsächlich mit synthetischen Tests in einer Testumgebung. Denn für Echtests braucht es ja zur Abbildung der gesamten Prozesskette - nicht nur einen Patienten, sondern auch einen Arzt mit der richtigen PVS und eine entsprechende Apotheke. Deshalb haben wir uns in der Gematik dafür entschieden, die Erprobung in der Fokusregion um zwei Monate zu verlängern. Am Starttermin ändert das nichts.

ADHOC: Wie kam diese Entscheidung zustande?
KLOSE: Für uns war wichtig, das Testgebiet regional zu begrenzen, um den Prozess besser steuern und mögliche Fehler zeitnah erkennen zu können. Wenn wir den Test bundesweit freigegeben hätten, wäre das schwieriger geworden. Wir fokussieren uns erst einmal weiter auf Berlin/Brandenburg und erweitern dort die Echttests und erhöhen zusätzlich die Zahl der synthetischen Tests. Das bildet eine ausgewogene Grundlage für den Start des E-Rezepts.

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