Fehlende Erprobung: Zahnärzte schießen gegen Gematik

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Berlin -

Die Kritik der Ärzteschaft an der Arbeit der Gematik reißt nicht ab. Jetzt haben sich die Zahnärzte zu Wort gemeldet und werfen ihr vor, digitale Neuerungen im Gesundheitswesen ohne ausreichende Erprobung während der Corona-Pandemie in den Markt zu drücken. Den Nutzen hätten allein die Kassen, den Ärger hingegen die Leistungserbringer.

„Für Praxen bringt die Digitalisierung derzeit nur Mehrarbeit und Mehraufwand mit sich, während Krankenkassen die Arbeit erleichtert werden soll. So entstehen bei den Heilberufen Frust und Verunsicherung, obwohl dort Vertrauen doch so dringend benötigt würde“, erklärt Martin Hendges, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des KZBV. Hendges traut den Beteuerungen seitens der Gematik nicht, dass die Erprobung technisch ohne erhebliche Probleme laufe, im Gegenteil laufe es beispielsweise bei der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung alles andere als rund: „Wie befürchtet und von uns immer wieder angemahnt, treten momentan viele Fehler auf, die bei ausreichender Testung und umsichtiger Einführung der eAU vermeidbar gewesen wären.“

Die Gematik sei von ihren Trägern frühzeitig mit einem Feldtest beauftragt worden, der dann immer weiter verschoben wurde. „Das hatte zur Folge, dass die letzten Kassen erst am vorgesehenen Starttag der eAU ans Netz gingen – zu spät, um Fehler lokalisieren und beheben zu können! Das absehbare Chaos zeigt exemplarisch: Massenanwendungen der Telematikinfrastruktur sollten nicht ohne in Tests nachgewiesene Marktreife umgesetzt werden – schon gar nicht in Zeiten einer Pandemie, in denen das Gesundheitssystem ohnehin vielfach am Limit arbeitet.“

KZBV-Vorstandschef Wolfgang Eßler geht noch weiter und stellt Forderungen an die Gematik: „Diese bleiben klar und eindeutig: Digitale und technische Innovationen müssen für die Zahnärzteschaft zeitlich, wirtschaftlich und organisatorisch umsetzbar sein und für die Patientenversorgung erkennbaren Mehrwert entfalten. Dazu müssen unsere Berufswirklichkeit und die Belange der Anwender konsequent in den Blick genommen werden.“ So müsse die TI für Heilberufe substanzielle Erleichterungen und Entlastungen im Versorgungsalltag mit sich bringen, etwa bei Anamnesen und Diagnosen. „Dann hätten Praxen mehr Zeit für ihre Patienten.“

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