Warnung vor „Chaos in der Versorgung“

E-Rezept: KBV fordert Verschiebung

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Berlin -

Auch wenn es aus allerlei Gründen bei der Erprobung bisher nicht ganz rund laufe, gebe es keine „Showstopper“ für das E-Rezept, betonen Gematik und Bundesgesundheitsministerium (BMG) seit Verlängerung der Testphase. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht das anders. Sie fordert nun eine Verschiebung der E-Rezept-Einführung um mindestens ein halbes Jahr, denn entgegen der Beteuerungen sei die Technik eben nicht einsatzbereit – wenn am jetzigen Termin festgehalten werde, drohe ein Chaos in der Versorgung.

Das E-Rezept soll trotz aller Probleme am 1. Januar bundesweit verpflichtend eingeführt werden. Ein bisschen zumindest: Es ist bereits absehbar, dass das E-Rezept bei seiner Einführung weit hinter den ursprünglich gesteckten Zielen zurückbleiben wird. Das BMG propagiert deshalb eine Zwischenlösung: Bei der Einführung sollen nur jene Praxen E-Rezepte ausstellen, deren Praxisverwaltungssysteme (PVS) bereits in der Lage dazu sind. Alle anderen seien vom im Gesetz beschriebenen Ausfalltatbestand erfasst und könnten deshalb weiter Muster-16 verwenden. Auch die Gematik beschwichtigt seit Monaten: Es gebe keine schweren technischen Probleme, die geringe Zahl der testenden Praxen und Versicherten seien das Hauptproblem.

Die KBV – selbst Gesellschafter der Gematik – widerspricht dieser Erzählung nun entschieden. „Am Anfang gab es nur Fehler in den Rezepten, inzwischen ist es besser geworden“, so KBV-Vorstand Dr. Thomas Kriedel. Man müsse aber berücksichtigen, dass es sich um eine Massenanwendung handelt. Es gebe über 100 PVS-Systeme, über 100 Krankenkassen, mindestens drei Konnektoren und vier, fünf oder noch mehr KIM-Anbieter. „Die alle müssen zusammenwirken können. Und was wir bisher erkannt haben, ist, dass vielleicht bis zum Jahresende die einzelnen technischen Produkte für sich genommen funktionieren. Aber der Zusammenschluss, dass das elektronische Rezept wirklich durch alle Stufen elektronisch durchgehen kann, ohne Fehler, ohne Probleme, das ist noch nicht getestet und das ist das große Problem, was uns Sorge macht. Das wird zum 1.1. nach unserer Auffassung nicht laufen können.“

Die Gefahr sei groß, betont der KBV-Vorstand. „Wir können es nicht riskieren, die Kassen und die Versorgung zum 1.1. in ein Risiko, in ein Chaos laufen zu lassen. Deshalb brauchen wir eine Zwischenlösung und wir arbeiten mit allen Beteiligten daran, das umzusetzen.“ Zwar gebe es im Bundesmantelvertrag ein Ersatzverfahren – nämlich jenes, das das BMG derzeit für die Einführung vorsieht. „Nur: Ein Ersatzverfahren ist keine Übergangslösung“, so Kriedel. Er halte es für politisch und inhaltlich falsch, zu sagen, dass die TI zwar in großen Teilen nicht funktioniere, aber trotzdem eingeführt werde – und wenn es in der Praxis nicht funktioniere, man halt weiter das Papierrezept verwende. „Das ist nicht unsere Vorstellung von sinnvoller Digitalisierung. Wir möchten eine Übergangslösung.“

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