Bild-Gipfel: E-Rezept und Vorsorge

, Uhr
Berlin -

Während der Corona-Pandemie hat die „Bild“-Zeitung ein Thema für sich entdeckt, das zuvor nicht unbedingt im Fokus des Blatts stand: die Gesundheitsversorgung. Das soll sich nachhaltig ändern. Beim ersten Bild-Vorsorgegipfel wurde gestern in Berlin vor allem über die Digitalisierung des Gesundheitswesens diskutiert. Noventi hat als Partner der Veranstaltung zudem Apotheker Dr. Björn Schittenhelm mit einem „Faktencheck E-Rezept“ in die Bild gebracht.

Deutschland hinkt im europäischen Vergleich bei der Digitalisierung seines Gesundheitswesens bekanntlich weit hinterher. Deshalb muss es nun einerseits schnell gehen, andererseits benötige die Transformation eben in der Praxis auch ihre Zeit, wie Noventi-Chef Dr. Hermann Sommer in der Panel-Diskussion beim Vorsorgegipfel betonte. Dass vor allem die Arztsysteme in der Entwicklung noch deutlich hinterherhinken, ist Sommer zufolge auch den Prozessen geschuldet: „Da sind zu viele Akteure beteiligt. Wir bekommen bis zuletzt Änderungen, wie das E-Rezept aussehen muss.“

Einen umfassenden Start zum 1. Januar erwartet Sommer daher nicht, eher eine schrittweise Einführung. „Der Weg funktioniert, wir müssen uns nur trauen“, so Sommer. In der Versorgung biete auch diese Variante einen Vorteil, weil die Daten für eine bessere Versorgung genutzt werden könnten. Bis dahin heißt es: Viele Schulungen, viel Überzeugungsarbeit und zu Beginn eben die Option, das E-Rezepts auszudrucken – eine irgendwie typisch deutsche Lösung.

Beim APOTHEKE ADHOC Webinar „Der ultimative E-Rezept Support!“ zeigen Dr. Mathias Schindl, Bereichsvorstand Warenwirtschaft bei Noventi, und Apotheker Jan Reuter heute Abend ab 20 Uhr, wie das E-Rezept im Apothekenalltag funktioniert.

Dass der Nutzung von Gesundheitsdaten häufig der allzu kleinteilige deutsche Datenschutz entgegensteht, kritisierte in der Bild-Runde Dierk Neugebauer von Bristol-Myers Squibb (BMS). Die aktuelle Struktur mit 16 Landesdatenschutzbeauftragten hält er für überkommen. Um die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzubringen, wäre aus seiner Sicht ein Daten-Trustcenter nötig. Die Hersteller hätten gar kein Interesse an personalisierten Daten, benötigten aber strukturiertes anonymisierte Daten, um die Versorgung zu verbessern. Gleichzeitig sei der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) künftig unabdingbar, um die gewaltigen Datenmengen sinnvoll zu nutzen.

Professor Dr. Sylvia Thun vom Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) sieht vor dem KI-Einsatz die große Herausforderung, die Daten glattzuziehen und damit überhaupt auswertbar zu machen. Sie sieht die Politik in der Pflicht: Es dürfe im Gesundheitswesen nur Softwaresysteme zugelassen werden, „die ordentliche Daten herstellen und zur Verfügung stellen – und zwar nach internationalen Standards“. Selbst in der Apple-Watch etwa seien schon die WHO-Standards abgebildet, bei der elektronischen Patientenakte werde das erst jetzt umgesetzt. Thun verwies auf das Fair-Prinzip der Datennutzung (Findable, Accessible, Interoperable, and Re-usable), das beispielsweise in Estland zum Einsatz komme.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Ursapharm will Produktion ausbauen
Hylo wird Dachmarke »
Mehr aus Ressort
Kriedel: „Er tritt die Motivationsbremse noch weiter durch“
Ärzte rechnen mit Spahn ab: „Grenze des Machbaren weit überschritten“ »
„Versuchskaninchen im Gesundheitswesen“
E-Rezept: Ärzte wollen Einführung mit Petition stoppen »
Einführung trotz winziger Testzahlen
E-Rezept: BMG hält am 1. Januar fest »
Weiteres
Kriedel: „Er tritt die Motivationsbremse noch weiter durch“
Ärzte rechnen mit Spahn ab: „Grenze des Machbaren weit überschritten“»
„Versuchskaninchen im Gesundheitswesen“
E-Rezept: Ärzte wollen Einführung mit Petition stoppen»
Einführung trotz winziger Testzahlen
E-Rezept: BMG hält am 1. Januar fest»
Pessina will Apothekenkette verkaufen
Bericht: Walgreens bald ohne Boots»