Tipps und Tricks für die Protestaktion

Abda will nicht länger warten

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Berlin -

Eigentlich war die Ansage der Abda in der Vergangenheit klar: Weitere Informations- und Protestmaßnahmen sollen sich zeitlich und inhaltlich am Gesetzgebungsverfahren orientieren. Erst wenn der Referentenentwurf vorliege, werde man darauf reagieren. Einen Referentenentwurf gibt es zwar immer noch nicht, stattdessen eine minimale Hoffnung, dass das Vorhaben vergessen wird. Dafür werden jetzt plötzlich neue Aktionspläne präsentiert.

Unter dem Motto „Die Apothekenreform der Ampel‐Koalition – Chance oder Umbruch?“ will die Abda in der kommenden Woche die Presse über ihre Gutachten zur geplanten Liberalisierung informieren. Parallel soll eine Protestkampagne starten, mit rotem Shirt und Kundenumfrage. Die Lage in den Apotheken sei auch akut so bedrohlich, dass man nicht länger auf einen möglichen Gesetzentwurf warten wolle, so Abda-Pressesprecher Benjamin Rohrer.

Holpriger E-Rezept-Start, Fachkräftemangel, Lieferengpässe, chronische Unterfinanzierung – die wirtschaftliche Lage in den Apotheken ist angespannt. Auch ohne Vorlage eines Referentenentwurfs hat die Abda nun Aktionen geplant, mit denen auf die schwierige Lage in den Apotheken aufmerksam gemacht werden soll. Und von der Kommunikationsabteilung gibt es vorab ein Handout mit Tipps für den Protest, die teilweise wortwörtlich aus dem Briefing vom Oktober übernommen sind.

„Wir sehen rot“

Vom 22. bis zum 27. April soll die Aktion „Wir sehen rot.“ laufen. Apothekenteams sollen bei der Arbeit rote Kleidung tragen und die Patientinnen und Patienten auf drastische wirtschaftliche Situation der Apotheken hinweisen. Dafür soll es auch ein Plakat zum Aushängen und Textilaufkleber mit entsprechendem Aufdruck geben. Außerdem sollen die Apothekenteams einen Handzettel mit Informationen herunterladen, ausdrucken und an die Kundinnen und Kunden verteilen.

Neben der roten Kleidung rät die Abda, sehr ähnlich wie schon zum Protest im letzten Jahr, in ihren „Tipps für die Aktion“ noch zu anderen „Maßnahmen“, damit die Kundinnen und Kunden sofort sehen: „Hier ist es anders als sonst“. Dazu könne auch das alte „Streitdesign“ aus dem letzten Jahr wieder genutzt werden.

  • Schaufenster und Auslagen können mit rotem Stoff geschmückt und dekoriert werden.
  • Die Regale ausräumen. Denn: „Leere Regale in der Sicht- oder/und Freiwahl sind aufmerksamkeitsstark.“
  • Rotes Flatterband besorgen, um die Apotheke in „außergewöhnliche Optik“ umzuwandeln. Zu besorgen im Baumarkt.
  • Die örtliche Presse einladen: „Diese freut sich über solche Ereignisse mit Nachrichtenwert und ist immer dankbar, Ansprechpartnerinnen und -partner zu haben, die direkt im Geschehen sind. Googeln Sie einfach die unterschiedlichen Lokal- und Regionalzeitungen!“
  • Fotos für Social-Media-Auftritte machen und mit dem entsprechenden Hashtag #wirsehen-rot versehen posten.

„Wichtig ist uns, dass die Apothekenteams mit ihren Patientinnen und Patienten ins Gespräch kommen und auf die schwierige Lage in den Apotheken hinweisen.“ Deshalb soll es ab dem 22. April auf Apoliebe.de auch noch eine Umfrage für Patientinnen und Patienten geben, die Anfang Juni ausgewertet und dann für die politische Arbeit verwendet werden soll. Um die Teilnahme zu erleichtern, rät die Abda in der Apotheke ein Tablet bereitzuhalten, auf dem die Umfrage direkt ausgefüllt werden kann.

Genannt werden mehrere Positionen der Apothekerschaft: „Deshalb fordern wir die Bundesregierung eindringlich zum Handeln auf und setzen uns dafür ein, dass ...

  • mehr Zeit für Patientinnen und Patienten bleibt, indem Bürokratie verschwindet und wir als pharmazeutische Fachleute mehr Entscheidungsfreiheit erhalten
  • das E-Rezept zum Erfolg wird, indem wir unsere Expertise in die weitere Entwicklung einbringen dürfen
  • das Apotheken-Netz stabilisiert wird, indem Apotheken sofort einen Inflationsausgleich erhalten
  • Apotheken langfristig erhalten bleiben, indem eine wirtschaftliche Planungssicherheit die Übernahme oder Gründung von Apotheken durch junge Kolleginnen und Kollegen wieder attraktiv macht
  • die Arzneimittelversorgung langfristig gesichert wird, indem die Vergütung der Apotheken nach elf Jahren
    endlich erhöht wird.“

Neuer „Dachclaim“

Alle politischen Kampagnenaktivitäten sollen außerdem in Zukunft unter dem neuen Motto „Gesundheit sichern. Die Apotheke.“ vereint werden. Der neue „Dachclaim“ beschreibe die für die Bevölkerung unverzichtbaren Aufgaben der Apotheken und solle gleichzeitig eine Aufforderung an die Politik sein, die Apotheken bei der Wahrnehmung dieser Aufgaben angemessen zu unterstützen.

Zudem seien „weitere Aktionen“ rund um den 7. Juni, den Tag der Apotheke, geplant. Dazu gäbe es aber noch keine konkreten Einzelheiten.

Proteste in Thüringen

In Thüringen starten schon morgen Protestaktionen, um auf die Auswirkungen der sinkenden Apothekenzahl auf die Versorgung aufmerksam zu machen. Man arbeite „mit den Kolleginnen und Kollegen in Thüringen derzeit ganz besonders eng“ zusammen. „Um die Auswirkungen der sinkenden Apothekenzahl auf die Versorgung zu verdeutlichen, werden die Apotheken in Thüringen beispielsweise Plakataktionen und Klappendienste starten.“ Zur konkreten Ausgestaltung wurde an den Thüringer Apothekerverband verwiesen.

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