Einkommensgewinne und -einbußen durch Corona

Umfrage: Ärzt:innen fühlen sich unterbezahlt

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Berlin -

Ärzt:innen in Deutschland spüren die Folgen der Coronapandemie offenbar sehr unterschiedlich auf dem eigenen Konto. Mehr als jede:r Dritte hat weniger verdient als zuvor, knapp die Hälfte merkte keinen Unterschied – und jeder sechste konnte gar eine Einkommenssteigerung verbuchen. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Gehaltsreport von Medscape. Demnach verdienen Mediziner im Durchschnitt 150.000 Euro im Jahr, fühlen sich aber mehrheitlich unterbezahlt.

Einen Grund, über die eigene Bezahlung zu klagen, haben insbesondere Ärztinnen: Denn das Gehaltsgefälle ist unter Medizinern überdurchschnittlich groß. Über alle Fachrichtungen hinweg verdienen Ärzte in Deutschland durch die Behandlung von Patienten durchschnittlich 150.000 Euro jährlich vor Steuern – allerdings gehen die Gehälter nach Geschlecht getrennt erheblich auseinander. So verdient eine Ärztin in Vollzeit durchschnittlich 114.000 Euro, ein männlicher Kollege hingegen 161.000 Euro. Das ergibt eine Gehaltslücke von 30 Prozent. Über alle Berufsgruppen in Deutschland hinweg beträgt der sogenannte Gender Pay Gap laut Statistischem Bundesamt 19 Prozent. Das spiegelt sich auch im geschätzten Nettovermögen der Ärzte: Das beträgt im Schnitt 361.000 Euro, bei Männern sind es 400.000, bei Frauen hingegen nur 234.000 Euro.

Allerdings gibt es auch erhebliche Unterschiede zwischen den Fachrichtungen. So liegen Hausärzte im Schnitt bei 164.000 Euro, Fachärzte hingegen bei 147.000 Euro. Das hängt vermutlich mit Impfungen und ausgebliebenen Facharztbesuchen zusammen. Noch größer ist der Unterschied zwischen niedergelassenen und Klinikärzten: 169.000 zu 141.000 Euro. Zuverdienste durch medizinische Gutachten, Produktverkäufe und Vortragshonorare bringen noch einmal im Schnitt 14.500 Euro obendrauf.

Mit 57 Prozent gab mehr als die Hälfte der befragten Ärzte an, dass sie sich nicht fair bezahlt fühlen. Frauen fühlen sich mit 65 noch häufiger ungerecht entlohnt als Männer. Gewandelt hat sich dieses Verhältnis laut Medscape in den vergangenen Jahren nicht, auch nicht durch Corona. Die Pandemie hat sich dafür auf andere Art bemerkbar gemacht.

So hat etwas mehr als die Hälfte der Befragten angegeben, dass sich ihr Einkommen während der Pandemie verändert hat. 9 Prozent gaben an, dass es um mehr als 25 Prozent gesunken sein, 11 Prozent gaben eine Verringerung von 11 bis 25 Prozent an. Am häufigsten kamen Veränderungen im Bereich von 10 Prozent vor: 15 Prozent gaben an, dass sie Einbußen in dieser Höhe hatten, mit 14 Prozent hatten aber fast genauso viele Zugewinne in dieser Höhe. 2 beziehungsweise 1 Prozent hatten gar Einkommenszuwächse von 11 bis 25 oder über 25 Prozent. Hier gehen niedergelassene und klinische Ärzt:innen stark auseinander: Während unter den niedergelassenen 52 Prozent Einbußen verkraften mussten, waren es unter den Klinikärzt:innen nur 17 Prozent.

Allerdings seien durch die Pandemie nur sehr wenige Ärzte in tatsächliche finanzielle Schwierigkeiten geraten. Trotzdem haben immerhin 7 von 100 in den vergangenen Monaten die Raten einer Hypothek oder andere Rechnungen nicht bezahlt. Solche Liquiditätsprobleme gaben Niedergelassene im Vergleich zu Klinikern zweieinhalb mal häufiger an.

Zwar gibt es erhebliche Gehaltsunterschiede vor allem zwischen Männern und Frauen. Bei den Arbeitszeiten sind die jedoch nicht auszumachen. Im Durchschnitt arbeiteten die Ärzte dieser Umfrage rund 52 Stunden pro Woche. Auch zwischen Haus- und Fachärzten sowie Klinik und Praxis gebe es dabei nur sehr geringe Unterschiede. Und das, obwohl deren Arbeitssituation in der Krise stark auseinanderging: Intensivmediziner warnten vor der Überfüllung ihrer Stationen, Hausärzte hatten die Praxen voller Impflinge, während Kardiologen und andere Fachärzte warnten, dass viele Patienten wegen der Pandemie nicht mehr kämen.

Das schlug sich in der Befragung allerdings eher an der Zahl der Patienten nieder: Im Schnitt sehen Ärzte demnach rund 100 Patienten pro Woche, vor Corona waren es noch 130 gewesen. Während Hausärzte demnach nun auf 176 kommen, sind es bei den Fachärzten nur 87. Niedergelassene kommen auf 254, Kliniker auf 62. Über alle Gruppen hinweg gaben zwar 47 Prozent der Ärzte an, dass sie durch die Pandemie keinen Rückgang der Patientenzahlen wahrgenommen haben. Mit 45 Prozent schätzen aber fast genauso viele einen Rückgang um bis zu 25 Prozent.

So wie für die Apotheken sind Corona-Schnelltests auch für die Ärzte seit diesem Jahr ein großes Thema: 92 Prozent der befragten Niedergelassenen gaben an, dass sie in ihrer Praxis Coronatests anbieten. Allerdings ist das nur für 10 Prozent von ihnen gewinnbringend, knapp die Hälfte gab an, dass Testangebot sei kostendeckend. Mit 38 Prozent arbeitet allerdings mehr als jeder dritte Arzt nach eigenen Angaben defizitär.

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