Lieferdienst schickt Personal in Apotheken

Spitzenhonorar: Mayd sucht Hybrid-PTA

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Berlin -

In Berlin können Verbraucher ihre Medikamente seit einiger Zeit über die Mayd-App bestellen. Bearbeitet werden die Aufträge in Partnerapotheken; Fahrer von Mayd liefern sie dann innerhalb von 30 Minuten aus. Das Unternehmensmodell, angelehnt an Lebensmittellieferdienste wie Flink oder Gorilla, ist in Berlin offenbar so beliebt, dass das Start-Up nun händeringend Personal sucht, um die Flut an Aufträgen zu bewältigen. Geplant ist ein Hybridmodell, was für zusätzliche rechtliche Probleme sorgen könnte.

Mit Mayd hat der Apothekenmarkt einen weiteren Plattformanbieter. Das Start-Up setzt sich zum Ziel, Kund:innen innerhalb von 30 Minuten mit OTC-Präparaten zu versorgen. Aktuell werden rund 2000 Produkte aus verschiedenen Bereichen wie Erkältung, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel, Schmerz, Beauty und Pflege angeboten. Um die steigende Nachfrage bedienen zu können, sucht das Unternehmen nun PTA und Apotheker:innen. Diese sollten flexiblen Arbeitszeiten gegenüber aufgeschlossen sein. Dafür könnten die angehenden Mayd-Mitarbeiter:innen aber auch eine großzügige Vergütung erwarten.

Großzügige Vergütung

Was genau eine PTA bei Mayd verdienen kann, dass möchte Hanno Heintzenberg, Mitgründer von Mayd, nicht verraten. Die Vergütung soll jedoch über den üblichen PTA-Gehältern in Berlin liegen: „Eine Beschäftigung bei Mayd gehört sicherlich aktuell zu den attraktivsten Beschäftigungsmodellen.“ Bei vielen öffentlichen Apotheken sei bei 15 Prozent Übertarif Schluss – bei Mayd sei dies nicht der Fall. Dazu kämen Zuschläge für Spätschichten und Feiertagsarbeit. „Wir bieten verschiedenste Arbeitszeitmodelle. Neben den Standardarbeitszeiten von 8 bis 17 Uhr ist es bei Mayd auch möglich, Spätschichten oder Wochenenddienste zu übernehmen. Die Arbeit an Sonn- und Feiertagen kann auch deshalb attraktiv sein, da sie mit einer höheren Vergütung einhergeht.“

Anstellung über die Apotheke

„Unser Kernmodell ist es, Aufträge für die Apotheke einzuholen und diese auszuliefern. Wir arbeiten hierfür mit den Apotheken als Vertragspartnern zusammen. Die PTA werden zunächst über die Apotheke angestellt sein. Erst in einem zweiten Schritt wäre eine aktive Vermittlung über uns möglich. Hierzu fehlt noch eine Lizenz als Personaldienstleister. Doch in Zukunft wollen wir Apotheken aktiv mit Arbeitskräften ausstatten“, erklärt Heintzenberg. Dabei sollen die PTA nicht gesondert in der Apotheke bereitstehen, sondern sich in das allgemeine Tagesgeschäft integrieren. „Der Arbeitsablauf ist strukturiert. Neben der Bearbeitung der Aufträge gehören auch das Packen und das Bearbeiten von Anfragen zu den täglichen Aufgaben. Die PTA soll Teil des eigentlichen Apothekenteams sein und auch in die dortigen Arbeitsprozesse eingearbeitet werden.“

Damit wagt sich Mayd weiter in den rechtlichen Graubereich. Die Abda stört sich schon an den Fahrern, die nicht zum Apothekenteam gehören. Wenn nun auch noch fremdes Personal in der Apotheke zum Einsatz kommt, dürfte dies für zusätzlichen Ärger sorgen.

Die PTA sollen sowohl zur Apotheke als auch zu Mayd gehören. Das Start-Up möchte ein Miteinander mit den Vertragsapotheken erreichen. Die Aufträge, die über die App eingehen, würden schlussendlich in der Verantwortung der Apotheke ausgeliefert. Alle Mitarbeitenden müssten die Zusammenarbeit als Kooperation verstehen – nicht als Abwerben von Personal. „Auch wenn die PTA über die Apotheke angestellt ist, so soll das priorisierte Aufgabengebiet die Bearbeitung der Mayd-Aufträge sein. Doch wenn es brennt, soll auch vor Ort ausgeholfen werden. Die PTA sollen nicht wie Aliens in der Apotheke stehen – es soll ein produktives Miteinander sein“, so Heintzenberg. Ein Problem in der Zusammenarbeit mit den anderen PTA sieht der Mitgründer nicht. Auch bei unterschiedlichen Arbeitsverträgen gehe es schließlich darum, dass die PTA die Apotheke bei der Bearbeitung der Aufträge in Zeiten mit hohem Bestellaufkommen unterstützt.

Rückfragen und Beratung nach Bedarf

Seitens der Kund:innen halten sich die An- und Rückfragen zu den Produkten laut Heintzenberg in Grenzen: „Aktuell haben wir bei unter 5 Prozent der Aufträge aktive Kundenrückfragen. Aber natürlich können die Kunden anrufen oder eine Nachricht über die App hinterlassen, sollten Fragen zur Einnahme und Dosierung bestehen.“ Sollten die PTA bei der Zusammenstellung der Aufträge Bedenken haben, so kann Rücksprache mit dem Bestellenden gehalten werden. „Die PTA kann im eigenen Ermessen entscheiden, ob eine Rücksprache mit dem Kunden stattfinden muss. Die Patientensicherheit hat immer oberste Priorität.“

Sollten Bestellungen Fragen aufwerfen, so ist es seitens Mayd gewünscht, dass die PTA aktiv den Kundenkontakt sucht. Denn die Patientensicherheit steht an erster Stelle. Bestellungen über mehrere Packungen Analgetika müssen genauso wenig beliefert werden wie Warenkörbe mit Wechselwirkungen. Nach telefonischer Rücksprache und Ausräumen aller offenen Fragen und Bedenken können die Warenkörbe gegebenenfalls angepasst und die Bestellungen den Fahrern übergeben werden. Die PTA fungiert sozusagen als Schnittstelle zwischen den Kund:innen, der Vertragsapotheke und den bei Mays angestellten Fahrer:innen. Die ersten Bewerbungen seien bereits eingegangen. Nun müssten Gespräche folgen, denn überstürzt soll keiner eingestellt werden.

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