Seit Anfang des Jahres ist auch der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) Teil des Patenschaftsprojekts für PTA. Die Auszubildende Lilli Bretsch berichtet gegenüber dem Verband aus ihrem Alltag zwischen Schulbank und Apothekenpraxis und fasst zusammen: „Das ist schon knackig.“
Bretschs Berufswunsch entstand aus ihrem Interesse für Naturwissenschaften und „weil die Beschäftigten auf mich immer so glücklich in ihrem Job gewirkt haben, wenn ich in der Apotheke war.“ Diesen persönlichen Eindruck wollte sie frühzeitig mit der Realität abgleichen – und entschied sich für das Projekt der PTA-Patenschaft.
Nach dem Unterricht und in den Ferien arbeite sie deshalb in der Jahreszeiten-Apotheke von Inhaber und AVWL-Vorstandsmitglied Jan Harbecke.
Bretsch beschreibt den Spagat zwischen der PTA-Fachschule in Münster und der praktischen Arbeit in der Apotheke gegnüber dem Verband als fordernd. Die Auszubildende erkenne in ihrer Tätigkeit aber auch eine enorme Lernhilfe: Durch den ständigen Umgang mit den Arzneimitteln vertiefe sie ihr Fachwissen.
Außerdem nutze sie die Gelegenheit, die Beratungsgespräche ihrer erfahrenen Kolleg:innen zu beobachten. „Da kann ich mir das ein oder andere abgucken“, sagt sie. „Wenn ich dabei erlebe, wie überschwänglich sich Patientinnen und Patienten für die Hilfe bedanken, dann weiß ich: Dafür mache ich das!“
Darüber hinaus übernehme sie vor allem PKA-Aufgaben wie Ware verbuchen, Sichtwahl auffüllen oder die Inventur der Freiwahl. Der Job in der Apotheke zahle sich für sie deshalb nicht nur finanziell aus. „Ich erfahre hier, wofür ich in der Schule lerne. Das gibt mir sehr viel Motivation für die anspruchsvolle Ausbildung.“
37 Stunden pro Monat arbeitet Bretsch laut AVWL in der Apotheke – in den Ferien sind es ein paar Stunden mehr, dafür vor den Klausuren weniger. Diese Flexibilität kommt laut Harbecke nicht nur der Patenschülerin zugute, sondern auch der Apotheke: „Viele PKA haben schulpflichtige Kinder und müssen in den Ferien Urlaub nehmen. Dann können wir die Unterstützung unserer Patenschülerin sehr gut gebrauchen.“,
Auch außerhalb der Ferien sei die Patenschülerin ein echter Gewinn für seine Apotheke. Die Zeit, die sein Team investiert habe, um Bretsch anzulernen, ist laut Harbecke nachhaltig investiert. „Anders als ein Praktikant bleibt das Patenkind über zwei Jahre bei uns und arbeitet mit. Nach der Schule verkürzt sich die Einarbeitungsphase im Praktikum oder im späteren Berufsalltag entsprechend.“
Es ist laut AVWL das Ziel der Patenschaft, eine langfristige Bindung zwischen Arbeitgeber und PTA aufzubauen. „Wenn es einem in der Apotheke gut gefällt, dann möchte man natürlich bleiben“, bestätigt Bretsch. „Eine PTA-Patenschaft ist ein hervorragendes Instrument gegen den Fachkräftemangel“, bekräftigt auch Harbecke.
Auf die Frage des Verbands hin, ob Apothekenbeschäftigten tatsächlich so glücklich in ihrem Beruf seien wie in Bretschs Wahrnehmung, antwortet diese:„Ich bin hier nicht enttäuscht worden.“
Das vom Landesapothekerverband Baden-Württemberg initiierte Projekt wurde mittlerweile auf fast alle Bundesländer ausgeweitet. Mit Ausnahme des Saarlands können angehende PTA bundesweit eine Patenapotheke finden. Der AVWL ist seit Herbst 2025 Teil der Initiative.
„Die PTA-Patenschaft ermöglicht Apothekenleitern, angehende PTA bereits während ihrer zweijährigen schulischen Ausbildung durch eine Patenschaft inhaltlich, fachlich und finanziell zu unterstützen, somit für die Apotheke vor Ort zu begeistern, an den eigenen Betrieb zu binden und dem Nachwuchsmangel aktiv etwas entgegenzusetzen“, erklärt der AVWL.
Im Rahmen des Projekts schließen PTA-Schüler einen Arbeitsvertrag mit einer Patenapotheke ab. Die Arbeitszeit kann dabei entweder durchgehend mit wenigen Wochenstunden oder gebündelt in den Ferien erbracht werden.