Nach der Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt dauern die Ermittlungen vor Ort an. Deshalb sind auch dort ansässige Apotheken gesperrt. In der Central-Apotheke kommen wegen des zweiten Eingangs nur Kundinnen und Kunden mit dringenden Anfragen in die Offizin – in Polizeibegleitung. Die Angestellten sind nach der Tat geschockt, sie konnten die tödliche Fahrt beobachten.
Ein 33 Jahre alter Mann ist am Montagnachmittag mit seinem Auto in die Leipziger Fußgängerzone gefahren. Dabei hat er mehrere Passanten erfasst, zwei Menschen starben. Es kam zu einem Großeinsatz, die Rettungskräfte riefen einen Massenanfall von Verletzten aus.
Von der Central-Apotheke konnten die Angestellten die Tat und den Großeinsatz beobachten. Die Situation in der Apotheke sei am Tag nach der Amokfahrt angespannt und alles andere als ein normaler Dienstag, sagt Apothekerin Ulrike Merten. „Den Kollegen geht es nicht so gut“, sagt die Angestellte, die am Montag nicht im Dienst war. Es handele sich allein deshalb nicht um ein „normales Tagesgeschäft“.
Dazu komme, dass die Polizei die Apotheke abgesperrt hat. Während eine Mitarbeiterin am frühen Morgen noch ohne Probleme in den Betrieb gekommen sei, hätten es weitere Angestellte im Anschluss schwer gehabt. „Es gab keine offizielle Meldung in der Apotheke dazu“, sagt Merten. Die Informationspolitik sei „nicht so gut“. Die Apotheke sei geschlossen, nur Kundinnen und Kunden mit dringenden Abholern könnten mit Polizeibegleitung über den zweiten Eingang in die Offizin.
Merten verweist darauf, dass es sich bei der Apotheke nicht um ein normales Geschäft handele. „Wir haben hier eine Versorgungspflicht.“ Doch an der Straßensperrung sei nichts zu ändern. Die Polizei geht auf Anfrage davon aus, dass die Sperrung weiter anhält. Noch seien die Arbeiten nicht abgeschlossen, weitere Fachkräfte kämen dazu, sagt ein Polizeisprecher. Die Ermittlungen würden weiter vorangetrieben und die Tatortgruppe des Landeskriminalamtes Sachsen ist demnach mit im Einsatz. „Dahingehend bleiben die Bereiche um den Thomaskirchhof sowie die Grimmaische Straße weiterhin gesperrt.“ Die Sperrung könnte den gesamten Dienstag anhalten.
Die Stadt-Apotheke liegt ebenfalls in der Grimmaischen Straße. Der Betrieb ist genauso von der behördlichen Sperrung betroffen. Dort will sich die Filialleiterin nicht zu den Geschehnissen äußern.
Die genaue Zahl der Verletzten ist am Mittag weiterhin unklar. „Das war gestern sehr schwierig. Viele Leute haben den Ort selbstständig verlassen und sich zum Arzt begeben“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Sicher ist bislang nur: Drei Menschen wurden schwer verletzt, hinzu kommen zahlreiche weitere Betroffene. Insgesamt sollen rund 80 Menschen von den Ereignissen betroffen sein.
Die Polizei geht nach bisherigen Erkenntnissen nicht von einem politischen oder religiösen Motiv des Täters aus. Sachsens Innenminister Armin Schuster hatte bereits am Abend von einem mutmaßlichen Einzeltäter gesprochen. „Wenn wir von einer Amokfahrt sprechen, dann spricht das für eine Tat, die in wütendem, rasendem Zustand geschieht und oft auch mit einer psychischen Labilität. Ob das in diesem Fall zutrifft, werden Polizei und Staatsanwaltschaft klären“, sagte der CDU-Politiker. Nach dpa-Informationen war der Mann vor der Tat polizeibekannt.
Bei der Amokfahrt wurden eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann getötet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes in zwei Fällen sowie wegen versuchten Mordes in mindestens zwei Fällen. Der Mann wurde noch im Fahrzeug von der Polizei festgenommen und ließ sich widerstandslos festnehmen.
In der Stadt herrscht angesichts der Tat Schock. Zum Gedenken an die Opfer und Verletzten findet am späten Nachmittag ein Gedenkgottesdienst statt. An der Andacht werden Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Oberbürgermeister Burkhart Jung (SPD) teilnehmen.