Vorbestellung ohne Nachweis

Rezeptfälschung: „Schnellsein ist manchmal nicht genug“

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Berlin -

Ein Kunde wollte telefonisch Mounjaro 15 mg (Tirzepatid, Lilly) in der Alten Hirsch-Apotheke im nordrhein-westfälischen Halver vorbestellen. Inhaber Ahmad Rez nahm den Anruf entgegen – und war sofort skeptisch. „Er konnte uns weder das Rezept vorab zuschicken noch hatte er eine Kundenkarte bei uns.“ Rez bestellte das Präparat trotzdem – und würde es unter bestimmten Umständen auch wieder so machen.

Bei Rez schrillten alle Alarmglocken, als der Kunde sich an einem Samstag bei ihm telefonisch meldete: „Bei Vorbestellungen für Abnehmspritzen sind mein Team und ich sofort hellhörig“, sagt er. Neben dem nicht vorliegenden Rezept und der fehlenden Kundenkarte konnte die Person dem Inhaber immerhin den Verschreiber nennen.

Inhaber brieft Team

Dieser kam allerdings nicht aus der Region und dessen Namen habe Rez noch nie zuvor gehört. Dennoch bestellte er das Präparat vor und vermerkte auf dem Abholschein, wie sein Team mit dem Kunden umgehen soll.

Dieser hatte angegeben, seine Vorbestellung am darauffolgenden Montag oder Dienstag abzuholen. „Ich habe meine Mitarbeiter direkt auf das seltsame Gespräch hingewiesen. Wenn der Herr tatsächlich vorbeikommt, muss das Rezept sehr genau kontrolliert werden.“ Zum Abgleich sollte sich das Team darüber hinaus die Versichertenkarte zeigen lassen.

Automatischer Rezeptscan sichert Fälschung

Tatsächlich kam der Mann vorbei – allerdings erst über eine Woche später. „Mein Mitarbeiter hat den Kunden dann nach seiner Versichertenkarte gefragt. Die habe er im Auto vergessen und wollte sie angeblich holen. Er kam dann aber nicht wieder.“

Zwar hatte der vermeintliche Fälscher auch sein Rezept wieder mitgenommen, aber: „Wenn man bei uns im System ein Rezept scannt, hat man automatisch eine Kopie.“ Diese leitete Rez umgehend an seine Amtsapothekerin weiter, die daraufhin umliegende Apotheken informierte. Auch die auf dem Rezept genannte Arztpraxis kontaktierte der Inhaber sofort: „Die hatte natürlich nie ein entsprechendes Rezept ausgestellt.“

Hochpreiservorbestellungen nur mit Rezept

Der Mann versuchte sein Glück noch in anderen Apotheken. In einer weiteren war er dann erfolgreich – trotz guter Vernetzung untereinander und Rundschreiben der Amtsapothekerin. „Schnellsein ist manchmal nicht genug“, weiß Rez.

Hochpreiser bestelle er ohne Rezeptnachweis oder Kundenkarte generell nicht vor. „Mounjaro 15 mg haben einen VK von 1400 Euro, darauf darf ich natürlich nicht sitzenbleiben“, betont der Inhaber. „In diesem besonderen Fall habe ich eine Stammkundin, die das Präparat regelmäßig bei uns holt. Deswegen habe ich gesagt, ich bestelle sowieso, also mache ich es.“

Aktuell häufen sich laut Rez Fälschungsnachrichten in seiner Region wieder. „Fälschungen über Zopiclon bekommen wir ab und zu von unserer Amtsapothekerin mitgeteilt. In den meisten Fällen sind es aber Abnehmspritzen oder Psychopharmaka.“

Für die Zukunft wünsche sich der Inhaber, „dass Ärzte Hochpreiser und Medikamente, deren Rezepte oft gefälscht werden, nur noch per E-Rezept verschreiben. Das wäre für uns alle sicherer.“

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