„Man fühlt sich zu krank, um zur Apotheke zu gehen“

Mayd: Lieferplattform lässt Influencerinnen schwärmen

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Berlin -

In immer mehr Städten sammeln Start-ups bei den Kund:innen Bestellungen für Apotheken. Das Berliner Unternehmen Mayd ist mittlerweile in drei deutschen Städten aktiv. Um die Bekanntheit der Marke weiter zu erhöhen, wird derzeit intensiv mit reichweitenstarken Influencer:innen geworben. Darunter sind eine an Krebs erkrankte Lifestyle-Bloggerin, eine Medizinstudentin, eine Schauspielerin und eine Spiegel-Bestseller-Autorin.

„Lifesaver“, „Game changer“ und „mega nice“ – das Berliner Start-up Mayd setzt bei der Werbung für den eigenen Lieferdienst auf eine direkte Ansprache der Zielgruppe. „Wir haben uns gefragt, wie man sie am besten erreicht, und testen Influencer-Marketing“, sagt Marketingchef Stephan Hillekamps, der zuvor lange für Google tätig war. Instagram etwa sei eine gute Möglichkeit, um mit Menschen in Kontakt zu treten. Mit dem sozialen Netzwerk könne man über das Smartphone „nahbarer am Kunden“ sein, anders als etwa mit TV-Werbung. Die Werbepartner:innen sollen das Produkt erklären; wie die Beiträge gestaltet werden, bleibe ihnen überlassen. „Es muss um Authentizität gehen, die Marke sollte glaubhaft vermittelt und die Dienstleistung gut erklärt werden.“

Gutschein für Instagram-Testimonials

Da Mayd als Produkt universell sei, sei es leicht, passende Influencer:innen zu finden. Im Klartext heißt das, dass man mit dem Angebot von Apotheken an OTC- und Freiwahlprodukten eine breite Zielgruppe vor Augen hat und Sortimente wie Nahrungsergänzungsmittel und Kosmetik bei jungen Erwachsenen platzieren kann, die keine Apothekenstammkund:innen sind. Wie genau die Instagram-Testimonials ausgewählt werden, will er nicht verraten. Auch die Finanzierung der Werbemaßnahme wird nicht kommentiert. Klar ist, dass die bei verschiedenen Investoren eingesammelten 15 Millionen US-Dollar viel Spielraum lassen. Manche Werbepartner:innen erhielten einen Mayd-Gutschein, manche eine Geldleistung, sagt Hillekamps.

Die Influencer:innen nutzen vor allem sogenannte Storys – also kurze Beiträge bei Instagram oder Facebook – in denen per Video oder Foto auf Mayd hingewiesen wird. Die Storys sind in der Regel nach einiger Zeit wieder verschwunden. Eine bekannte Mayd-Partnerin ist Seyda Taygur. Ihrem Kanal „Sissyssecrets“ folgen rund 253.000 Follower:innen. Bekannt ist sie unter anderem für Kochbücher, die es in die Spiegel-Bestsellerlisten schafften. Sie wirbt für zahlreiche Produkte und setzt sich und ihre Familie dabei in Szene.

Anfang Dezember beschrieb Taygur „Mayd“ als „Game changer“. In einem Video zeigte sie, wie die Bestellung bei ihr abgeben wurde. „Von der lokalen Apotheke in 30 min geliefert OHNE Zusatzkosten“, textete sie dazu. Zudem wurde zur Lieferplattform verlinkt. Auch Laura Schäfer erwähnte Mayd über ihren Kanal „Lauralamode“ in einer Story. Der Bloggerin, die am Hodgkin-Lymphom erkrankt ist und öffentlich über ihren Krankheitsverlauf berichtet, folgen bei Instagram mehr als 45.000 Menschen.

Keine Zeit für Apotheke

Die Schauspielerin Laura Hink aus der RTL2-Serie „Berlin – Tag & Nacht“ verweist ebenfalls über ihr Instagram-Profil „Laura_hnk“ auf den Lieferdienst. „Wir kennen es alle. Man fühlt sich zu krank, um zur Apotheke zu gehen. Ihr habt keine Zeit dafür oder aber ihr habt Kinder und schafft es einfach nicht, dann habe ich hier die Lösung!“

Rund 122.000 Fans spricht die Modebegeisterte Jessi Quednau an. Sie warb ebenfalls über ihren Kanal „Jessiquednau“ für die Plattform: „Kann ich euch wirklich empfehlen, schaut mal, ob es bei euch verfügbar ist“. Auch das Stadtmagazin „Mit Vergnügen“ wurde als Partner gewonnen und wirbt für München, den neuesten Lieferort des Unternehmens.

Die Anzeigen der Influencer werden in keinem bestimmten Rhythmus platziert – mal zwei pro Woche, dann wieder eine Woche Pause. „Es passiert häufiger, dass wir unbezahlte Posts bekommen“, so Hillekamps. Wie sich die Werbung auf die Bestellungen auswirkt, will Mayd nicht verraten. Das Marketingkonzept sei „in process“, sagt er. Noch ist der Fokus auf Instagram und Facebook. Ob bald Anzeigen per Youtube oder Tiktok folgen, werde sich zeigen.

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