Herausforderungen für Hersteller

Plattform und E-Rezept: Was denkt die Industrie, Herr Wieczorek?

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Berlin -

Das E-Rezept ist aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Der Versandhandel hofft auf neue Umsätze, schon die Corona-Krise war Treibstoff für DocMorris & Co. Parallel drängen Plattformen und Lieferdienste auf den Markt – nicht nur die Apotheken müssen sich Gedanken machen, wie sie sich in dieser Gemengelage positionieren: Auch die Industrie steht vor wichtigen Fragen, wie Jörg Wieczorek, Vorsitzender des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH), erklärt.

Wieczorek geht davon aus, dass die Corona-Krise auch die Apotheke vor Ort gestärkt hat: „Gerade während der Covid-19-Pandemie konnte die Vor-Ort-Apotheke sich vielfach als erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten aufgrund des eingeschränkten Zugangs zu Arztpraxen, Kliniken und Ambulanzen bewähren und somit diese entlasten. Da viele Menschen während der Pandemie die Vorteile der niedrigschwelligen Gesundheitsberatung erkannt haben, gehe ich davon aus, dass es sich immer mehr etablieren wird, bei leichteren Beschwerden zuerst die Apotheke aufzusuchen.“

E-Rezept beeinflusst OTC-Geschäft

Hinzu komme, dass das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem durch die Kosten der Pandemiebekämpfung, den demografischen Wandel und den medizinischen Fortschritt vermehrt unter Druck geraten werde. „Die Selbstmedikation im Zusammenwirken mit der heilberuflichen Beratung aus der Apotheke leistet bereits heute Enormes. Sie spart dem GKV-System viel Geld, und das Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft.“ Wieczorek verweist auf eine aposcope-Befragung im Auftrag des BAH, bei der selbständige wie angestellte Apothekerinnen und Apotheker sowie PTA zu über 90 Prozent die große wirtschaftliche Bedeutung des OTC-Geschäfts bestätigt hätten. „Ich sehe also großes Potenzial, auch, weil es der Apotheke vor Ort hilft, ihre Zukunft zu sichern.“

ADHOC: Welchen Einfluss wird das E-Rezept generell auf den OTC-Bereich haben?
WIECZOREK: Sicher ist, es wird Einfluss haben, so wie insgesamt die Digitalisierung des Gesundheitswesens Einfluss auf die Versorgung der Menschen sowie die Arbeit der Heilberufe und aller weiteren Stakeholder haben wird. Verschiedene Szenarien zeigen auf, dass das OTC-Geschäft von der Entwicklung des E-Rezeptes nicht unberührt bleiben wird. Für den BAH ist essenziell, dass die freie Apothekenwahl Bestand hat und auch nicht durch technische Tricks oder Lücken ausgehebelt werden kann. Dafür sind wir nachweislich in allen relevanten Gesetzgebungsverfahren der letzten Jahre eingetreten und werden es auch weiterhin tun.

Ein zentrales Thema für den BAH ist das Grüne Rezept, das auch als E-Rezept funktionieren soll: „Technisch gestaltet sich das nicht anders als die Umsetzung beim Privatrezept. Die zuständigen Stellen müssen schlicht den durch das PDSG angelegten Weg umsetzen. Der BAH wirbt in zahlreichen Gesprächen sehr dafür, das Grüne Rezept auch in der E-Version zu ermöglichen, und wir sind zuversichtlich, dass das passieren wird.“

  • Das Grüne Rezept
    Die große Mehrheit der von aposcope befragten Apothekerinnen, Apotheker und PTA erkennt das große Potenzial des Grünen Rezepts. So gaben 81 Prozent an, dass es ein wichtiges Instrument für die Wahrnehmung von rezeptfreien Produkten durch Ärztinnen und Ärzten sei, und dies nicht ohne Grund. Denn zu 75 Prozent sagen sie, dass die Apothekenkunden stets den Produktempfehlungen der Arztpraxen folgen. Nach Ansicht von 66 Prozent der Befragten würden sich Ärztinnen und Ärzte durch das Grüne Rezept stärker mit rezeptfreien Produkten auseinandersetzen – ein Umstand, der letztlich auch das Geschäft der Vor-Ort-Apotheke fördert.

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