Tele-Sprechstunde

Beratung gegen Cash: Plattform sucht Apotheker

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Berlin -

Die Online-Beratung hat in Apotheken noch keine größere Bedeutung. Das möchte das Start-up Appoco ändern. Drei Gründer:innen suchen Pharmazeut:innen, die auf Honorarbasis Kund:innen online zu bestimmten Schwerpunktthemen beraten. „Das Business-Modell trägt sich bei 3000 Beratungsstunden im Monat“, sagt Mitgründer Pascal Lauscher. Die Plattform soll im kommenden Jahr an den Start gehen.

Telepharmazie wird in Apotheken vereinzelt bereits angeboten; auch Kooperationen bieten Chatfunktionen an. Ein Ziel ist es, mit den Angeboten von Versendern wie DocMorris oder Shop Apotheke mitzuhalten, die ihren Kund:innen anbieten, sie per Chat oder Video zu beraten. Das Telepharmazieportal Apomondo wurde von Apotheker:innen gegründet; auch vereinzelt tüfteln Pharmazeut:innen an eigenen Angeboten. Die Nachfrage der Kundschaft halte sich in Grenzen, sagt ein Inhaber aus Nordrhein-Westfalen. Er bietet über seine Homepage Videosprechstunden an. Bisher habe noch keiner angefragt, beraten werde vor Ort in der Apotheke. Von der Apothekerkammer Westfalen-Lippe kommt das Online-Angebot „Frag das A“, etwa um eine notdiensthabende Apotheke zu finden oder die Verfügbarkeit eines Arzneimittels abzufragen.

Seit mehr als einem Jahr beschäftigen sich Lauscher und seine Geschäftspartnerinnen Sigrid Hauer und Antonella Lorenz mit dem Apothekenmarkt. Der Marketingfachmann, die Unternehmensberaterin und die IT-Expertin wollen pharmazeutische Beratung über eine Plattform anbieten. Das Ergebnis ist Appoco, die Marke gehört zur Firma Momentum Marketing von Lauscher. Apotheken sollen eine Chance erhalten, „endlich ihre Fachkompetenz richtig zu monetarisieren“, lautet eine Ansage.

„Pharmazeutisches Wissen ist vorhanden, aber nicht zugänglich“, sagt Lauscher. Die Plattform wirbt bereits ausufernd für das pharmazeutische Angebot: „Glauben Sie keinen Pseudoexperten oder wahllosen Internetforen. Lassen Sie sich von ausgewählten Apothekern beraten, wie sie dank hochqualitativen Vitalstoffen und von Apothekern hergestellten Nahrungsergänzungsmitteln zu mehr Energie, mehr Lebensfreude und mehr Gesundheit kommen“, heißt es im Internet. Zudem wird das lange Pharmaziestudium betont.

Hälfte geht an Apotheke

Patient:innen würden spezialisierte Apotheken etwa im Bereich Onkologie schwer finden. Diese „für alle unbefriedigende Situation“ solle mit Appoco geändert werden, in dem die telepharmazeutischen Beratungsgespräche richtig vermarktet würden. Pro Stunde sei ein Satz von 80 bis 150 Euro vorstellbar, sagt Lauscher. Die Erstberatung ist kostenlos und wird mit einem Zeitfenster von 15 Minuten angegeben. Für 45 Minuten „ausführliche Präventionsberatung“ werden 125 Euro fällig, eine therapiebegleitende Beratung kommt auf 300 Euro für dreimal eine Stunde Videosprechstunde. Die Hälfte des Honorars erhält die Apotheke, der Rest werde in Marketing- und Betriebskosten investiert. Geworben werden soll für das neue Angebot per Google, bei Facebook oder Instagram.

Zwei Apotheken an Bord

Bisher sind zwei Apotheken mit an Bord, die Verträge sollen noch unterzeichnet werden. Die beiden könnten die Themen Darmgesundheit und Onkologie besetzen. Als weiteres Thema wird Kinderwunsch beworben. „Wir suchen weitere Apotheker“, sagt Lauscher. Die Pharmazeut:innen könnten bei der Themengestaltung mitwirken. Sie sollen selbst ausgewählte Inhalte besetzen. In der Praxis sollen die Teilnehmer:innen Zeitfenster und inhaltliche Schwerpunkte vorgeben. Voraussetzung ist unter anderem eine Approbationsurkunde. Kosten sollen für die Apotheken bis zu einem monatlichen Umsatz von 2000 Euro nicht entstehen.

Die Endverbraucher:innen sollen sich über die Website registrieren und würden von Appoco an die Apotheke weitergeleitet. Die Online-Beratung laufe noch über einen eigenen Dienst. Zudem soll es einen Messengerdienst von Siemens Healthineers geben, über den sich die beiden Parteien austauschen und etwa Medikationspläne senden können. Appoco verweist explizit auf den Datenschutz: Ausschließlich die vermittelte Expert:in erhalte Zugriff auf verschlüsselte Daten. Nach 21 Tagen würden diese Daten automatisch gelöscht, außer sie würden aktiv verlängert. Auch die Grenzen der pharmazeutischen Beratung werden betont: Nicht erlaubt seien Therapieversprechen oder Leistungen, die beispielsweise Ärzt:innen vorbehalten seien. „Diese Richtlinien werden von Appoco eingehalten.“

Investoren gesucht

Die Teilnahme von anderen Gesundheitsexperten ist nicht ausgeschlossen. PTA sind Lauscher zufolge in den Erstgesprächen vorstellbar – das Ergebnis solle jedoch durch Apotheker:innen transportiert werden. Finanziell steht das Start-up auf eigenen Beinen – noch. Denn man sei bereits mit zwei Business-Angels im Gespräch. Diese hätten zugesichert, in die Firma zu investieren, sobald mehr Apotheken an Bord seien.

Eine Bestellplattform will Appoco nicht sein. „Wir sind kein E-Commerce-Anbieter“, betont Lauscher. Auf der Website heißt es zwar: „Top-Partner“ unter den Apotheker:innen können „zusätzliche Umsätze durch Medikamentenherstellung und -verkauf“ generieren. Kooperationen seien jedoch nicht ausgeschlossen. Bisher sei geplant, Gutscheine zu vergeben. Verbraucher:innen, die eine Pharmazeut:in besonders gut bewerteten, erhielten durch Appoco einen Gutschein, um in dieser Apotheke günstiger einzukaufen.

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