Lieferdienste: Verdrängungswettbewerb auf Apothekenkosten?

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Berlin -

Im Windschatten der E-Rezept-Einführung formiert sich ein neuer Branchenzweig: Lieferdienste, die Produkte von der Apotheke zum Verbraucher bringen. In kürzester Zeit sind mehrere Anbieter aufgetaucht, die aus der Same Day Delivery ein Geschäftskonzept machen wollen. Hotspot sind die Metropolen und unter ihnen besonders Berlin. Was kommt da auf die Apotheken zu? Eine Marktverteilungsschlacht, inklusive Preiskämpfen? Die Berliner Kammerpräsidentin Dr. Kerstin Kemmritz hat Zweifel, dass sich die Kurierdienste behaupten werden – einen Nutzen für die Apotheken könnten sie jedoch haben.

Lebt man in einer Stadt wie Berlin, Hamburg oder München, hätte man es schon länger für eine Frage der Zeit halten können: Fahrradkuriere sind mittlerweile selbstverständlicher Anblick im Großstadtalltag, zahlreiche Anbieter von Wolt bis Gorillas liefern mittlerweile nicht mehr nur Essen, sondern auch Supermarkteinkäufe und allerlei andere Waren an die Haustür. Die Idee, das auch mit Arzneimitteln und anderen Apothekenprodukten zu tun, ist da naheliegend – vor allem mit Blick auf den Digitalisierungsschub samt E-Rezept, den die Branche derzeit durchlebt.

Entsprechend sind die Marktaussichten wohl vor allem für Außenstehende und Investoren gleichermaßen. 15 Millionen Euro konnten allein die McMakler-Gründer für ihren Fahrradlieferdienst Mayd einsammeln. Die Gründer Liefer-App Phaster Pharmacy wiederum haben finanzielle Rückendeckung unter anderem vom Teleclinic-Mitgründer Professor Dr. Reinhard Meier. Was Mayd und Phaster mit der Konkurrenz von First A, Medikamendo oder Joom verbindet, sind die Versprechen an die Kunden: Die Lieferung solle in kürzester Zeit eintreffen, meist innerhalb von 30 Minuten.

Doch ist der Markt dafür wirklich groß genug? Darauf würde Kammerpräsidentin Kemmritz nicht wetten. „Ich halte solche Lieferdienste momentan für nicht notwendig“, sagt sie. Schließlich hätten die Apotheken in Berlin eine sehr gute Abdeckung, seien mit entsprechend langen Öffnungszeiten persönlich erreichbar und hätten meist einen eigenen Botendienst. „Es mag da aus Convenience-Perspektive bei manchen Kunden zu bestimmten Zeiten noch Lücken geben, die nun gefüllt werden sollen. Das ist aber ein sehr kleiner Markt. Daraus ein ganzes Geschäftsmodell zu machen, erschließt sich mir nicht. Ich glaube nicht, dass das in der jetzigen Form nachhaltig ist.“

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