98 Prozent der PTA fühlen sich unterbezahlt

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Berlin -

Der Fachkräftemangel zählt zu den drängendsten Problemen in der Apotheke – und die Situation dürfte sich in den nächsten Jahren verschärfen. Denn viele PTA mögen zwar ihren Beruf, sind aber mit den Rahmenbedingungen ihrer Arbeit unzufrieden: 98 Prozent finden, dass der PTA-Beruf ist unterbezahlt ist, 91 Prozent fehlen Wertschätzung und Anerkennung. Das sind nur zwei Erkenntnisse aus dem großen PTA-Gehaltsreport 2021 von PTA IN LOVE, unterstützt von der Apothekengewerkschaft Adexa.

Eine PTA in Vollzeit kommt monatlich auf rund 1800 Euro netto. Bei einer vielerorts typischen Teilzeit-Beschäftigung mit 30 Stunden-Woche liegt der Nettoverdienst bei etwa 1450 Euro. Dabei gibt es laut Befragung unter insgesamt 3528 PTA große regionale Unterschiede: Sachsen liegt im Vergleich auf dem letzten Platz, davor Mecklenburg-Vorpommern. Spitzenreiter beim Gehalt sind die Metropolen Hamburg und Berlin mit rund 1900 Euro netto.

In Deutschlands Apotheken arbeiten etwa 69.000 PTA. Eine große Mehrheit ist mit der eigenen Berufswahl generell zufrieden (89 Prozent). Auf der anderen Seite würde jede/r zweite Befragte seinem jüngeren Ich nicht dazu raten, den PTA-Beruf zu erlernen. Vor allem die Bezahlung entspricht aus Sicht der Mehrheit weder der Verantwortung, die PTA in der Apotheke tragen, noch den zugehörigen Aufgaben oder dem alltäglichen Stresslevel. Letzteres ist in der Corona-Pandemie noch einmal deutlich gestiegen – Stichwort Impfzertifikate, Masken und Tests.

64 Prozent über Tarif

Besonders wichtig sind PTA ein angenehmes Arbeitsklima und ein gutes Gehalt, dicht gefolgt von einem sicheren Arbeitsplatz und Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld. 75 Prozent der PTA haben einen Tarifvertrag im Arbeitsvertrag vereinbart. Im Saarland haben 85 Prozent der PTA Tarifbindung, in Berlin sind es 72 Prozent und in Sachsen, wo es keinen Tarifvertrag gibt, immerhin 26 Prozent – möglicherweise als individuelle Vereinbarung auf Grundlage einer der beiden Tarifverträge: Neben dem Bundesrahmentarifvertrag gibt es den Tarifvertrag Nordrhein. 64 Prozent der befragten PTA werden allerdings übertariflich bezahlt.

In den allermeisten Apotheken bekommen die Angestellten eine oder mehrere Sonderzahlungen. 57 Prozent dürfen sich über Weihnachtsgeld freuen – 36 Prozent erhalten ein dreizehntes Monatsgehalt, 53 Prozent bekommen einen Corona-Bonus und 21 Prozent Urlaubsgeld. Für 43 Prozent gibt es einen Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge. Doch während 92 Prozent einen Personalrabatt für den Apothekeneinkauf haben, spielen auf der anderen Seite Provision und leistungsorientierte Vergütung und Umsatzbeteiligung kaum eine Rolle.

Es fehlt PTA an Wertschätzung und Anerkennung (91 Prozent Zustimmung). Demnach sind sich die Kolleg:innen sicher: „Der PTA-Beruf wird aussterben, wenn die Attraktivität des Berufs nicht gesteigert wird“ (88 Prozent Zustimmung). Die meisten PTA (92 Prozent) wünschen sich eine Erweiterung ihrer Kompetenzen in der Apotheke. So sprechen sich 85 Prozent beispielsweise für eine zeitweise Vertretungsbefugnis von Apotheker:innen aus.

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