ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

200 Euro sind relativ wenig

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Berlin -

Recht anschaulich habe ich als Kind den Begriff „relativ“ erklärt bekommen: „Drei Haare auf dem Kopf sind relativ wenig, drei Haare in der Suppe sind relativ viel.“ Heute können wir das auf die 200 Euro Gehaltszuschlag beziehen, die Angestellte in Apotheken bekommen. Ist das nun viel oder wenig?

Ausgehend vom alten Tarifvertrag sind 200 Euro Zuschlag auf ein PTA- oder PKA-Gehalt relativ viel. Dieses bleibt jedoch auch nach 200 Euro-Zuschlag relativ wenig, vor allem bei der aktuellen Inflation. Ein 200-Euro-Aufschlag, der nötig ist, um das Einstiegsgehalt einer PKA wenigstens über die gesetzliche Mindestlohngrenze zu hieven, ist nicht nur relativ ernüchternd, sondern eigentlich ein absoluter Skandal.

Auf der anderen Seite: Steigende Personalkosten von rund 10 Prozent für Inhaber:innen auf einen Schlag sind relativ viel, der Fachkräftemangel wiederum absolut und absurd groß. Diese apothekenspezifische Relativitätstheorie zeigt, wie wenig sich das Thema eigentlich für einen augenzwinkernden Wochenrückblick eignet.

Natürlich will jede Chefin und jeder Chef sein Team ordentlich bezahlen, gerade in so aufreibenden Zeiten wie diesen. Nur irgendwie muss das Geld reinkommen. Und dass davon insgesamt zu wenig im System ist, darüber können nur noch verschiedene Corona-Sondereffekte hinwegtäuschen. Die werden aber – hoffentlich – im Verlauf dieses Jahres wegfallen, weil die Pandemie endlich in den Griff zu bekommen gewesen sein wird. Aktuell lässt sich das Gehaltplus noch grob über den Daumen mit zwei zusätzlichen Impfzertifikaten pro Kopf und Tag abfedern, aber irgendwann hat es sich ja auch ausgeboostert.

Es ist sowieso relativ sinnlos, sich allzu tief über die neue Gehaltstabelle zu beugen, denn die individuellen Vereinbarungen nehmen den Tarifvertrag meist eher als Referenz, ein für die Beschäftigten immerhin positiver Nebeneffekt des Fachkräftemangels. Doch je nach Arbeitsvertrag kann sich die zwischen Adexa und Ada geschlossene Vereinbarung unterschiedlich auf dem Lohnzettel auswirken. Außer in Sachsen – der „Freistaat“ gönnt sich weiter seine ganz spezielle Form der Leibeigenschaft. In Nordrhein verhandeln die Abtrünnigen von der TGL noch mit der Gewerkschaft.

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