Kriedel: „Er tritt die Motivationsbremse noch weiter durch“

Ärzte rechnen mit Spahn ab: „Grenze des Machbaren weit überschritten“

, Uhr
Berlin -

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) verabschiedet sich mit einem Rundumschlag gegen seine Digitalisierungspolitik vom scheidenden Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Auf der letzten KBV-Vertreterversammlung von Spahns Amtszeit zeigte sie bereits Vorfreude auf die neue Regierung.

Dr. Thomas Kriedel ist ein Mann klarer Worte, das hat er seinen Einschätzungen zur Digitalisierungspolitik der noch amtierenden Bundesregierung immer wieder unter Beweis gestellt. Wer denkt, dass er angesichts von Spahns baldigen Abgang sentimental wird, hat sich aber getäuscht. Vielmehr kritisiert Kriedel, der als KBV-Vorstand für das Thema Digitalisierung verantwortlich ist, deutlich Spahns Amtsführung auf den letzten Metern. „Er tritt die Motivationsbremse noch weiter durch und wirft in den letzten Wochen seiner Amtszeit den Ärzten und Psychotherapeuten das vor, was er selbst verursacht hat: Ihnen sei die Digitalisierung pauschal ‚zu anstrengend, zu schnell und zu teuer‘.“

Zu anstrengend sei sie, weil sie trotz pandemiebedingter Belastungen unbeirrt durchgedrückt werde, weil sie noch nicht funktioniere, Versorgungsrealitäten außer Acht lasse und weil sie so schlecht gemacht sei, dass sie viel Zeit und Nerven koste. „Ja, die Digitalisierung ist für die Praxen auch zu schnell. Weil die Technik noch nicht so weit ist, um im Praxisalltag zu bestehen. Und ebenfalls ja: Die Digitalisierung ist zu teuer. Weil den Ärzten und Psychotherapeuten Sanktionen drohen für Dinge, die sie selbst nicht steuern können“, kritisierte Kriedel.

Auch beim leidigen Geld werde es den Ärzten unnötig schwer gemacht. Das politisch vorgegebene Finanzierungssystem zwischen Finanzierungsvereinbarung und teils monopolistischer Preisgestaltung zum Nachteil der Praxen drehe sich im Kreis. „Wir stellen eine zunehmende Diskrepanz zwischen den Beträgen fest, die durch die Erstattungspauschalen gedeckt sind, und den Preisen, die die Industrie tatsächlich in Rechnung stellt“, so Kriedel. Die Höhe der Unterfinanzierung schwanke je nach Hersteller und Konfiguration der jeweiligen IT-Ausstattung. „Wir müssen vermutlich von etwa 9000 Euro für fünf Jahre ausgehen. Der Markt hat sich eben nicht wie versprochen selbst reguliert. Er hat vielmehr die gesetzliche Nachfrage-Garantie genutzt“, so Kriedel.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Mehr zum Thema
Pfeiffer befürchtet Beitragssteigerung
Kassen wollen Ausgaben drücken »
Mehr aus Ressort
Absicherung gegen Konnektoren-Ausfall
Red Medical baut doppelten Boden für das E-Rezept »
Widerstand gegen Gesellschafterbeschluss
SMC-B: Apothekerkammern verklagen die Gematik »
Weiteres
NNF schüttet an Apotheken aus
75 Millionen für TI-Aufwendungen»
Arztpraxen, Kliniken und Pflegeheime
Noch keine Kündigungen wegen Impfpflicht»
„Es ist schwierig, das Abwerben hinterher zu belegen“
Apotheker enttäuscht: Drei Angestellte abgeworben»
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
Report Mainz über Impfpassfälschungen
Apotheken im Fadenkreuz von Impfgegnern»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»