E-Rezept: Man muss auch mal den Ärzten danken

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Berlin -

An Tag 1 nach der Absage der verpflichtenden E-Rezept-Einführung überwiegt quer durch die Sektoren des Gesundheitswesens die Erleichterung. Auch der Deutsche Apothekerverband (DAV) spricht plötzlich davon, dass eine Gefahr für die Versorgung abgewendet worden sei. Warum erst jetzt? Die Ärzteschaft hat gezeigt, wie man Interessen des Berufsstandes richtig vertritt, kommentiert Tobias Lau.

Es gebe beim E-Rezept noch erhebliche technische Probleme, die vor der Einführung behoben werden müssten, denn „sonst wird die Versorgungssicherheit der Patienten gefährdet“, erklärte DAV-Chef Thomas Dittrich am Dienstag. Auch wirtschaftlich sei das E-Rezept auf dem jetzigen Entwicklungsstand eine Gefahr für die Apotheken, schließlich gebe es nach wie vor Unstimmigkeiten im elektronischen Signaturverfahren – und solange die nicht ausgeräumt sind, „läuft die Apotheke Gefahr, nach der Belieferung des E-Rezeptes retaxiert zu werden, also keine Vergütung zu bekommen. Das ist nicht akzeptabel.“

So klar und wahr diese Worte sind, muss man nun laut fragen: Warum kommen sie jetzt? Jetzt, da die Entscheidung gefallen ist?

Bisher waren Abda und DAV beim Thema E-Rezept eher durch Duckmäusertum aufgefallen: Das Mantra, dass die Apotheken „E-Rezept-ready“ seien, hat sich in der Branche mittlerweile zum geflügelten Wort entwickelt – allerdings fast immer mit sarkastischem Zungenschlag. Wenn vonseiten der Standesvertretung Kritik am Vorgehen der Gematik oder des BMG aufkam, dann eher in homöopathischen Dosen oder diplomatisch verklausuliert. Selbst nachdem der DAV sich in die Phalanx der Leistungserbringerorganisationen im Gematik-Gesellschafterrat einreihte, die Anfang Dezember den Aufstand probte, folgte von der Abda kein weiteres eigenes Statement, das sich der Sorgen und Nöte ihrer Standesmitglieder klar annahm.

Das deutlichste, was in den vergangenen Wochen seitens der Abda-Führung zu hören war, kam aus dem Mund von Präsidentin Gabriele Overwiening selbst: „Das für alle Beteiligten wichtigste Digitalprojekt im Gesundheitswesen aller Zeiten darf nicht verstolpert werden. Wir Apothekerinnen und Apotheker sind startklar für das E-Rezept. Beim Blick auf den ehrgeizigen Zeitplan und den tatsächlichen Umsetzungsfortschritt des Gesamtprojektes wird mir aber angst und bange“, erklärte sie in ihrer Funktion als Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) am Tag nach der gemeinsamen Erklärung mit den anderen Spitzenorganisationen – als das Wichtigste bereits gesagt worden war.

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