Softwarehaus kann Abrechnung nicht garantieren

ADG warnt Apotheken vor der E-Rezept-Einführung

, Uhr
Berlin -

Die Nervosität steigt. Nur noch gut drei Wochen, dann soll das E-Rezept gesetzlich verpflichtend eingeführt werden. Von den Standesvertretungen bis zu den Unternehmen wächst der Widerstand auf den letzten Metern noch einmal spürbar an. Hatten die Softwarehäuser bisher versichert, dass es schon gut gehen werde, ist mit ADG nun der erste Warenwirtschaftshersteller auf seine Kunden zugegangen und warnt sie vor der Einführung. Hätten sie die Wahl, sollten sie möglichst auf die Belieferung von E-Rezepten verzichten. Geschäftsführer Joachim von Morstein nimmt kein Blatt vor den Mund.

ADG warnt seine Kunden vor der geplanten E-Rezept-Einführung am 1. Januar. In einem Schreiben, das APOTHEKE ADHOC vorliegt, widerspricht das Softwarehaus der Kommunikationslinie der Gematik: „Nach eingehender Prüfung aller vorliegenden Informationen und den eigenen Praxistests stehen auch wir der geplanten Einführung kritisch gegenüber“, heißt es darin. Die bislang erzielten Ergebnisse seien aus Sicht der beteiligten Systeme und tatsächlich abgewickelten E-Rezepte nicht ausreichend, um eine belastbare Aussage über den erfolgreichen flächendeckenden Einsatz zu treffen. Von den geplanten 1000 E-Rezepten seien gerade einmal 42 eingelöst worden.

Die Zahl hatten die Gematik-Gesellschafter vom Deutschen Apothekerverband (DAV) bis zur Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bereits vergangene Woche öffentlich gemacht, als sie in einem außergewöhnlichen Vorstoß dagegen rebellierten, dass das Bundesgesundheitsministerium (BMG) die E-Rezept-Einführung gegen den Willen der Spitzenverbände der Leistungserbringer durchgedrückt hat. Gematik und BMG wehrten sich: Zwar sei die geplante Auslastung bei weitem nicht erreicht worden, die bisherigen Tests würden die Funktionsfähigkeit jedoch ausreichend belegen, um an der gesetzlichen Einführung festzuhalten.

Genau hier widerspricht mit ADG nun erstmals auch ein Warenwirtschaftsanbieter öffentlich. „Zudem sind bis heute viele Fragen ungeklärt, die insbesondere die zuverlässige Abrechnung der Leistungen gegenüber den Kostenträgern betreffen“, so ADG. „Damit fehlen essenzielle Grundlagen, um den gesamten Ablauf testen zu können.“

Morstein bestätigt das Schreiben auf Anfrage und findet deutliche Worte: „Es ist eine sehr lange Prozesskette und alle schauen darauf, dass die Ärzte E-Rezepte generieren können. Wir aber schauen natürlich auf unsere Kunden und ob diese Rezepte auch abrechenbar sind. Da mag die Interessenlage der Gematik enden, aber für unsere Kunden ist es extrem wichtig, dass sie ihr Geld bekommen. Da darf es kein Risiko geben.“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch
Mehr zum Thema
Nur vier digitale Verordnungen im April
E-Rezept-Quote der TK: 0,000001 Prozent »
Mehr aus Ressort
„Arztpraxen sind keine Beta-Tester“
Pleiten, Pech und Pannen: FÄ fordert E-Rezept-Stopp »

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»