Berlin -

Um die Impfkampagne endlich in Schwung zu bringen, sollen die Apotheken einsteigen. Mit dem politischen Rückenwind steigt das Selbstbewusstsein der Pharmazeut:innen. Als größte Herausforderung wird jetzt der Personalmangel wahrgenommen, nicht so sehr der Ärger mit den ärztlichen Kollegen. Und während viele Praxen vor Ort tatsächlich über jede Entlastung froh wären, reibt sich ihre Standesvertretung in Stellungskämpfen auf. Ein Kommentar von Alexander Müller

Apotheker impfen zu lassen sei so, als würde man Flugbegleiter zum Piloten machen, wetterte ein Funktionär bei der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Solche Vergleiche sind immer schief, offenbaren ein überkommenes Verständnis von Hierarchien und Teamleistung (in allen Berufen) und sind selten hilfreich in einer Debatte. Unfreiwillig komisch: Der Begriff Cockpit leitet sich vom Hahnenkampf ab – braucht kein Mensch mehr.

Die Apotheker:innen tun gut daran, sich von solchen Aussagen nicht provozieren zu lassen. Wer so um sich schlägt, tut dies aus Verzweiflung, aus Angst, etwas zu verlieren. Doch wir befinden uns in diesem Jahr in einer selbstverschuldeten Notlage: Jeden Tag sterben hunderte Menschen an Covid-19 und es gehört zur Ironie dieser schiefen Metapher von der Vertreterversammlung, dass die Corona-Opferzahl oft mit einem täglichen Flugzeugabsturz verglichen wird.

Die Kassenärzt:innen haben eine Resolution verabschiedet. Darin heißt es: „Wir unterstützen daher ausdrücklich alle politischen Maßnahmen, die zu einer maximalen Impfquote in der Bevölkerung und damit zu einer Eindämmung der Pandemie führen.“ Dann sollten diesen Worten Taten folgen. Jetzt ist nicht die Zeit für Standesdünkel, Neid und Missgunst in Honorarfragen. Jetzt ist die Zeit, diese Pandemie zu bekämpfen, gemeinsam und mit allen Mitteln.

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