Corona-Impfung: Was Apotheken jetzt schon tun können

, Uhr
Berlin -

Corona-Impfungen in Apotheken kommen – viel mehr ist darüber noch nicht bekannt. Dennoch können Apotheken schon erste Vorkehrungen treffen, um bereit zu sein, wenn es losgeht. So sollten sie neben Versicherungsfragen auch den Impfstatus der Kollge:innen klären, die künftig die Spritze setzen sollen.

Gründe, sich nicht an der Corona-Impfkampagne zu beteiligen, gibt es viele, angefangen bei personellen Engpässen über fehlende Räumlichkeiten bis zu betriebswirtschaftlichen Fragen. „Andererseits zeigen eine Reihe von Anfragen in der Geschäftsstelle, dass es Apotheken gibt, die Interesse haben, die Impfung anzubieten“, schreibt die Apothekerkammer Sachsen-Anhalt (AKSA) an ihre Mitglieder. Es sei aber keine Apotheke verpflichtet, die Leistung im eigenen Verantwortungsbereich anzubieten, „es ist eine freiwillige Zusatzleistung und eine Entscheidung jedes Apothekers vor Ort“, so die Kammer.

Die Standesvertretung geht davon aus, dass die notwendigen rechtlichen Regelungen noch in diesem Jahr auf den Weg gebracht werden. Doch auch bis dahin könnten interessierte Apotheken sich bereits um einige Punkte kümmern, die bis dahin mit Sicherheit relevant werden: So sollten sich Apotheken an die Risikoträger ihrer Berufshaftpflichtversicherung wenden und abklären, inwieweit der Vertrag die Impfung durch Apotheker abgedeckt oder gegebenenfalls angepasst werden müsste.

Vor dieser Frage standen auch schon Apotheken, die sich an Modellprojekten zu Grippeschutzimpfungen beteiligen. Denn eigentlich werden Impfungen nicht mit abgedeckt, weil sie keine apothekenübliche Tätigkeit sind – das gilt jedoch nur im umgangssprachlichen Sinne. Bereits mit dem Masernschutzgesetz wurde nämlich die rechtliche Grundlage für die Durchführung von Modellprojekten gelegt. „Es ist im Rahmen dieser Modellprojekte für Apotheken offiziell erlaubt, zu impfen. Ob das schon ad nominem in der Berufsordnung steht, nur aus dem Sinngehalt oder – wie hier – aus modellprojektbezogenen Sonderanweisungen hervorgeht, ist letztlich nicht ausschlaggebend“, erklärt Apothekenversicherungsexperte Michael Jeinsen dazu.

Auch für Corona-Impfungen in Apotheken wird eine rechtliche Grundlage geschaffen werden, die die Leistung damit quasi per Gesetz apothekenüblich macht. Dadurch kann sie auch versichert werden –wovon man aber nicht ohne Weiteres ausgehen sollte. So wie bei den Grippe-Modellprojekten gilt deshalb auch hier: Eine Rückmeldung an den Versicherer ist auf jeden Fall ratsam, mindestens um sicherzugehen, dass er die Tätigkeitserweiterung auch wirklich als betriebsüblich ansieht.

Ebenfalls jetzt schon können sich Apotheken an um arbeitsmedizinische Vorsorgemaßnahmen kümmern: Inhaber sollten laut AKSA ihren Mitarbeiter:innen, die für die Impfungen geschult werden sollen, ein Angebot machen, sich gegen Hepatitis-B impfen zu lassen, falls das noch nicht geschehen ist. Sie beruft sich dabei auf § 6 Abs. 2 Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV): „Impfungen sind Bestandteil der arbeitsmedizinischen Vorsorge und den Beschäftigten anzubieten, soweit das Risiko einer Infektion tätigkeitsbedingt und im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöht ist“, heißt es dort noch mit Bezug nur auf Ärzt:innen.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema
Strafrechtler Dr. Patrick Teubner
FAQ: Gefälschte Impfausweise »
Weiteres
NNF schüttet an Apotheken aus
75 Millionen für TI-Aufwendungen»
Arztpraxen, Kliniken und Pflegeheime
Noch keine Kündigungen wegen Impfpflicht»
„Es ist schwierig, das Abwerben hinterher zu belegen“
Apotheker enttäuscht: Drei Angestellte abgeworben»
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
Report Mainz über Impfpassfälschungen
Apotheken im Fadenkreuz von Impfgegnern»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»