Apothekerin schreibt Brandbrief an Köpping

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Berlin -

Die Impfbereitschaft steigt und Apotheken versuchen, händeringend Covid-19-Impfstoff zu erhalten. Denn auch wenn Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gebetsmühlenartig ankündigt, dass sich jeder „noch heute“ impfen lassen könne, sieht es im Alltag anders aus. Eine Apothekerin aus Sachsen beklagt, dass ihre Bestellung teilweise zu 100 Prozent gekürzt wurde. Gleichzeitig sei sie beauftragt, den Impfstützpunkt ihres Landkreises zu beliefern.

Insgesamt geht es um 850 bestellte Vials des Biontech-Impfstoffes Comirnaty. Damit sollten wenigstens drei mobile Impfteams ausgestattet werden. Zudem wurde die Pharmazeutin vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) beauftragt, den Impfstützpunkt ihres Landkreises zu beliefern. Dort würden 510 Vials Comirnaty benötigt. Die Rückmeldung der Großhändler sei ernüchternd gewesen: „Insgesamt bekomme ich nur 176 Vials“, sagt sie. Deshalb verbrachte sie gestern den Tag damit, zu telefonieren, um wenigstens Spikevax von Moderna zu erhalten. „Diese zusätzliche Arbeit führt dazu, dass ich andere pharmazeutische Aufgaben nicht erfüllen kann.“

Konflikte in Apotheken und Praxen

Die tatsächliche Lage vor Ort teilte sie in einem Brief an die sächsische Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) und die Bürgerbeauftragte mit. Zahlreiche Apotheker:innen kritisierten zuletzt, dass die mediale Darstellung, es sei genug Impfstoff vorhanden, zu Konflikten in Apotheken und Praxen führe. Denn tatsächlich würden die meisten Bestellungen gekürzt – jedenfalls was Comirnaty angeht. Der Moderna-Impfstoff sei auch bei der sächsischen Apothekerin noch vorhanden und werde auch verimpft.

Die Apothekerin macht in ihre Schreiben deutlich: „Die Menge wird nicht reichen.“ Sie habe drei Großhändler beauftragt, um wenigstens die Höchstmenge von 170 Vials zu erhalten. „Ein Großhändler hat mich um 100 Prozent gekürzt. Da bekomme ich kein einziges Fläschchen, da nur die Hauptkunden beliefert werden. Ein weiterer Großhändler hat mich um 70 Prozent gekürzt und der dritte Großhändler hat mich um ein Viertel gekürzt.“

„Wie sollen bis Ende des Jahres 30 Millionen Menschen geimpft werden, wenn wir massive Kürzungen bei den Impfstoffbestellungen bekommen“, fragt sie in dem Brief. „Ich bin ehrlich, ich kann alle Ihre Versprechungen und Zusicherungen für das Bundesland Sachsen nicht mehr hören.“ Die Leute stünden mehrere Stunden vor den Impfzentren, um einen Termin zu ergattern. Patienten stürmten die Apotheken, um dort geimpft zu werden.

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