Apothekerin muss Impfzentrum enttäuschen

Biontech komplett „genullt“

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Berlin -

Die Apotheker:innen müssen ihre Ärzt:innen auch in dieser Woche wieder vielfach enttäuschen, wenn es um den Covid-19-Impfstoff von Biontech geht. Manche Inhaber:innen erhalten lediglich ein Drittel der bestellten Ware – und andere gehen sogar komplett leer aus. Eine Apothekerin aus Sachsen etwa kann ihr Impfzentrum gar nicht beliefern.

Der Covid-19-Impfstoff von Biontech ist weiter das favorisierte Vakzin der Bevölkerung. Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) werden in KW 50 insgesamt acht Millionen Dosen Biontech und mehr als zehn Millionen Booster-Dosen Moderna ausgeliefert. In KW 51 sollen es 2,5 Millionen Dosen und 8 Millionen Booster-Dosen Moderna sein, in KW 52 noch einmal 900.000 Dosen Biontech und 8 Millionen Dosen Moderna.

Doch der neue Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gab bereits zu Protokoll, dass der Biontech-Impfstoff bereits knapp bemessen sei und dass nicht alle Bestellungen beliefert werden könnten. Offizielle Zahlen gibt es nicht, weil das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) die Veröffentlichung angesichts widersprüchlicher Angaben zunächst eingestellt hat und derzeit gar keine Informationen liefert.

Die Rückmeldungen der Großhändler bestätigen die leeren Lager. Alle Bestellungen von Comirnaty für den öffentlichen Gesundheitsdienst seien „genullt“ worden, sagt eine Pharmazeutin aus Sachsen. Sie wurde beauftragt, ein Impfzentrum zu beliefern. Bereits Anfang des Monats seien ihre Aufträge teilweise komplett zusammengestrichen worden. Statt der vom Impfzentrum bestellten 510 Vials Comirnaty bekam sie von ihren drei Lieferanten nur 176 Vials.

Schlechte Aussichten für Biontech

In dieser Woche sieht alles noch viel schlimmer aus. „Für kommende Woche ist meine gestrige Bestellung an Comirnaty von Biontech über den pharmazeutischen Großhandel komplett ‚genullt‘ worden“, klagt die Apothekerin. Auf Nachfrage konnte ein Lieferant noch 17 Vials Comirnaty besorgen. „Das sind 102 Dosen. Es ist eine Katastrophe.“

Für das Impfzentrum bestellte sie als Alternative 150 Vials des Moderna-Impfstoffes. Ihr sei zudem mitgeteilt worden, dass es bis Jahresende keinen Impfstoff von Biontech mehr geben werden. Das sei „schlimm“, da die Termine im Impfzentrum vereinbart worden seien und die Menschen auf ihre dritte Impfung warteten, schrieb sie an das Sozialministerium.

Denn Menschen, die zuerst den Impfstoff von AstraZeneca und dann Biontech erhalten hätten, sollten als Booster nicht Moderna erhalten. Dazu gebe es keine verbindlichen Aussagen. „Wie soll es nun weiter gehen? Wie soll mehr geimpft werden, wenn kein Impfstoff da ist?“, fragt sie in dem Schreiben. Auch für Menschen unter 30 Jahren wird Moderna nicht empfohlen.

Zuvor hatte ihr das Ministerium mitgeteilt, dass die Begrenzungen bei Comirnaty „uns leider in allen Strukturen getroffen“ hätten. Dabei gehe es nicht nur um die Bestellbeschränkung, sondern auch um die Kürzungen bei den Lieferungen.

Sozialministerium hofft auf Lauterbach

Das Ministerium fügt hinzu: „Das war direkt – aus allen Ländern – an den damaligen Gesundheitsminister Spahn kommuniziert worden. Wir wissen, wie misslich das ist. Der Bund hatte schlicht nicht genug Biontech-Impfstoff, um die Bestellungen zu bedienen.“

In Sachsen hofft man auf die neue Regierung und Lauterbach: Man bemühe „sich auf allen Wegen um Ausgleich der anscheinend vorher nicht ausreichenden Planung beziehungsweise Bestellung.“ Die Apothekerin ist entäuscht von der allgemein gehaltenen Antwort des Ministeriums. „Wir brauchen jetzt konstruktive Vorschläge, wie es weitergehen soll mit der Impfkampagne.“

Derweil sagte Reinhard Groß, stellvertretender Vorsitzender des Sächsischen Apothekerverbands, gegenüber dem MDR, dass er aktuell keine Engpässe in seinem Bundesland sehe: „Im Moment zum Impfen wird hauptsächlich Biontech und Moderna bestellt und beide Impfstoffe sind lieferbar.“

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