Comirnaty-Bestellungen um 50 Prozent gekürzt

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Berlin -

Apothekerin Dr. Sybille Koch-Göpfrich aus Merzhausen hat heute keine guten Nachrichten für ihre Ärzt:innen. Denn sie kann die Comirnaty-Bestellungen nur stark gekürzt bedienen. Der Großhandel habe die Aufträge um 50 Prozent zusammengestrichen. Unter den Mediziner:innen seien auch Betriebsärzte, die große Mengen bestellt hätten.

Insgesamt 28 Ärzt:innen hätten 2670 Dosen Comirnaty bestellt. Das war von vorneherein zum Scheitern bestimmt. Denn der Biontech-Impfstoff ist kontingentiert. Für kommende Woche durften pro Person lediglich maximal 30 Dosen in Auftrag gegeben werden. Teilweise seien 20 Vials aufgeschrieben worden, sagt Koch-Göpfrich. „Wir leiten die Bestellung 1:1 weiter und kürzen nicht vorab. Die Ärzte fallen mir jetzt sicher nicht um den Hals, wenn ich ihnen die Kürzung mitteile.“

Die deutlich höheren Mengen zeigten jedoch, dass der Bedarf in den Praxen hoch sei und auch noch Kapazitäten vorhanden seien, sagt sie. Gerade für Betriebsärzt:innen wäre es gut, wenn die Menge erhöht werde und sie beispielsweise wie Impfzentren bestellten könnten. Der Impfstoff von Moderna war dagegen weniger gefragt. Nur zehn der 28 Ärzt:innen orderten Spikevax – insgesamt 385 Vials, die alle beliefert werden können.

„Wir müssen zackig impfen“

Koch-Göpfrich hofft, dass Apotheken tatsächlich bald in die Impfkampagne mit einbezogen werden. Aktuell sollen sie nach den Plänen der Politik ab Januar Booster-Impfungen anbieten. „Dafür braucht es aber genug Impfstoff. Es bringt nichts, wenn es zu einem Verteilungskampf zwischen den Berufsgruppen kommt.“ Wichtig sei, dass eine gute Logistik dafür sorge, dass der Impfstoff jetzt schnell auf die Straße komme. „Wir müssen zackig 30 Millionen Menschen impfen.“

Sie selbst ist noch nicht geboostert, weil sie sich im Oktober mit Sars-Cov-2 infizierte. Die Übertragung fand bei einer Apothekerfortbildung statt, wie sie sagt. Trotz vorbildlichen Schutzmaßnahmen hätten sich vier Kolleg:innen infiziert. Koch-Göpfrich sei doppelt geimpft gewesen und die Infektion sei mild verlaufen. Dennoch musste sie in Quarantäne und die Apotheke für zwei Wochen von zu Hause aus leiten. „Für den Betrieb war das natürlich blöd.“ Die Inhaberin ist froh, dass sie in ihrem Team genug Approbierte hat, die sie in so einem Fall vertreten können.

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