Bestellung, Impfschema & Co.

Kinder-Comirnaty: Die wichtigsten Fakten

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Berlin -

Am 26. November hat die EU-Kommission Comirnaty für Kinder zugelassen. Bislang liegt keine Impfempfehlung seitens der Ständigen Impfkommission (Stiko) vor. Prinzipiell können jetzt alle Kinder ab 5 Jahren geimpft werden. Um das Vial besser unterscheiden zu können, kommt Kinder-Comirnaty in einem neuen Design daher. Auch die Dosierung unterscheidet sich, das Impfschema bleibt gleich.

Comirnaty für Kinder ist für die Altersgruppe der 5- bis 11-Jährigen zugelassen. Im Namen steckt der Hinweis „Kinder“ nicht. Lediglich die Dosierung und die abweichende Farbgebung zeigen, dass es sich um die Kinder-Variante handelt. So erhalten Kinder nur 10 µg Tozinameran pro Injektion. Bei den Jugendlichen ab 12 Jahren und den Erwachsenen sind es 30 µg. Die Kinder-Durchstechflasche ist mit einem orange-farbenen Flip-Off versehen. Bei der 30-µg-Flasche ist dieser lila.

Gleiches Impfschema

Das Impfschema ist gleich. Auch Kinder zwischen 5 und 11 Jahren erhalten zwei Injektionen im Abstand von drei Wochen. Jede Durchstechflasche enthält nach der Rekonstitution zehn Impfdosen, bei der Erwachsenen-Variante sind nur sechs Dosen enthalten. Kinder-Comirnaty wird mit 1,3 ml steriler isotonischer Kochsalzlösung verdünnt. Das Injektionsvolumen beträgt 0,2 ml. Bei Comirnaty für Erwachsene werden 1,8 ml Kochsalzlösung hinzugegeben, das Injektionsvolumen beträgt 0,3 ml. Beide Verdünnungen sollten unter Beachtung des Druckausgleiches durchgeführt werden.

Abweichende Haltbarkeit

Der neue Kinder-Impfstoff zeigt in den unterschiedlichen Temperaturbereichen andere Haltbarkeiten als die bekannte Formulierung. Während der Impfstoff für Erwachsene ultratiefgefroren neun Monate haltbar ist, ist Kinder-Comirnaty nur sechs Monate haltbar. Im aufgetauten Zustand ist der Kinder-Impfstoff jedoch stabiler: So kann Kinder-Comirnaty ungeöffnet bei 2 bis 8 °C für zehn Wochen, geöffnet und verdünnt für 12 Stunden gelagert werden. Comirnaty für Erwachsene kann bislang nur 31 Tage nach dem Auftauen im Kühlschrank gelagert werden. Nach dem Verdünnen verkürzt sich die Dauer der Verwendbarkeit auf zwölf Stunden – somit ist der Kinder-Impfstoff doppelt so lange verwendbar, wie das Erwachsenen-Vakzin.

Auslieferung ab 13. Dezember

Ärzt:innen erhalten den Kinder-Impfstoff, der am 7. Dezember bestellt wurde, am 13. Dezember. Vorrangig sollten Kinderarztpraxen bestellen, sodass genug Patient:innen für eine Immunisierung vorhanden sind und es nicht zum Verfall von Impfstoffdosen kommt. Der Kinder-Impfstoff ist zweimal in der Taxe gelistet: Die Bund-PZN lautet 17895975. Die PZN für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) lautet 17895981. Noch ist keine Begleitdokumentation für diesen Impfstoff seitens der Abda zur Verfügung gestellt worden. Den Kinderärzt:innen wird dasselbe Impfzubehör beigelegt wie den anderen Arztpraxen. Pro Vial werden zehn Spritzen und zehn Kanülen beigelegt (zuzüglich Überschuss). Für die Bestellung benötigen die Ärzt:innen kein separates Rezept. Die Praxen können das Rezept auf dem sie auch den Impfstoff für Jugendliche und Erwachsene bestellen nutzen. Die Anzahl der Kinderimpfstoff-Dosen sollte mit dem Zusatz „für Kinder (5 - 11 Jahre)“ versehen werden.

Noch keine Stiko-Empfehlung

Bislang empfiehlt die Stiko die Impfung für Kinder zwischen 5 und 12 Jahren nicht. Bei den 12- bis 17-Jährigen hat die Kommission eine Impfempfehlung ausgesprochen. Es wird eine mRNA-Impfung für alle Jugendlichen – unabhängig von möglicherweise bestehenden Vorerkrankungen – empfohlen. „Für die Impfung soll nur Comirnaty eingesetzt werden, da in dieser Altersgruppe das Risiko des Auftretens einer Myo-/Perikarditis nach Impfung mit Spikevax höher ist als nach Comirnaty.“ Bei der Empfehlung der 12- bis 17-Jährigen weist die Stiko aber auch auf die notwendige Grundimmunisierung von Erwachsenen hin. So sei es wichtig, dass das Impfangebot von Eltern, Lehrer:innen, Erzieher:innen sowie andere Betreuungspersonen von Kindern und Jugendlichen wahrgenommen wird, um den Betrieb von Schulen und anderen Einrichtungen für Kinder möglichst lange aufrecht zu erhalten.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) bleibt beim Thema Kinder-Impfungen zunächst verhalten und geht davon aus, dass es – wie zuvor bei den 12- bis 17-Jährigen – zu einer Indikationsempfehlung für junge Kinder mit chronischen Erkrankungen oder anderen besonderen Risiken kommen wird und eine Allgemeinempfehlung ausbleibt. „Die Annahme, dass die Impfung bei jungen Kindern einen anhaltenden Einfluss auf die Übertragungsrate des Virus nehmen wird, ist unbestätigt“, heißt es seitens des BVJK. Es sei eher wichtig, dass sich alle Erwachsenen impfen und boostern lassen. Der Verband gibt zu bedenken, dass schwere Corona-Verläufe bei Kindern weiterhin äußerst selten sind und es deshalb vor der Impfung zu einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung kommen müsse. „Die Forderung nach Impfungen der jungen Kinder zur Verhinderung eines allgemeinen Lockdowns ist nicht verhältnismäßig.“

Ähnlich sieht es auch die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). „Die primäre Krankheitslast dieser jungen Altersgruppe durch schwere Erkrankungen ist unverändert sehr gering. Die Übertragungsrate des Virus aus dieser Altersgruppe heraus ist geringer als bei Erwachsenen“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem BVKJ. Für Kinder mit Vorerkrankungen wird es seitens der einzelnen Fachgesellschaften Empfehlungen geben. Hier kommt es, trotz des geringen Lebensalters, häufiger zu schweren Verläufen. Durchweg alle Kinder ab 5 Jahren impfen zu lassen, sei mit Blick auf das pandemische Geschehen weniger entscheidend, als dass sich alle Erwachsenen grundimmunisieren und boostern lassen.

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