Berlin -

Apotheken sollen jetzt doch gegen Covid-19 impfen – der politische Wille ist da. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Die Apothekerkammern signalisieren Bereitschaft und arbeiten bereits an einem Schulungsleitfaden. Die Zahnärzt:innen wollen nicht in ihren Praxen impfen und die Veterinärmediziner:innen halten sich zurück. Die Hausärztin Professor Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth warnt vor dem unterschätzten Aufwand und der Gefahr einer Spaltung der Heilberufler:innen.

Apotheker:innen, Zahnärzt:innen und Tierärzt:innen sollen bei der Impfkampagne einbezogen werden. Das hat die Bund-Länder-Runde gestern mitgeteilt. Viele Pharmazeut:innen wollen ihren Beitrag leisten und sind aufgrund von Modellprojekten mit dem Ablauf von Grippeimpfungen vertraut. Andere sehen dafür im Moment überhaupt keine Vakanzen oder klagen hinter vorgehaltener Hand über aufgebrachte Ärzt:innen und Attacken, die noch stärker werden, wenn die Kolleg:innen aus den Praxen erfahren, dass in der Apotheke geimpft werden soll.

„Apotheken können das nicht leisten“

Auch Buhlinger-Göpfarth aus Pforzheim in Baden-Württemberg sieht keine Not, weitere Heilberufler:innen in die Impfkampagne einzubeziehen. „Der Prozess wird unterschätzt. Ich glaube nicht, dass Apotheken, Zahn- oder Tierärzte das leisten können.“ Sie ist seit 19 Jahren als niedergelassene Hausärztin tätig. „Wir kriegen das gut hin. Wenn man die Zahlen hochrechnet, sind wir bis Januar durch.“ Sie impfe täglich rund 100 Patient:innen gegen Covid-19. Dazu kämen Sonderaktionen – für Samstag sei wieder ein Impfmarathon mit dem Bürgermeister geplant, bei dem 1200 Menschen immunisiert werden sollen.

Die Zusammenarbeit mit den Apotheken vor Ort laufe gut, lobt Buhlinger-Göpfarth. Gerade jetzt, wo die Praxen den Fokus auf Coronaimpfungen legten, verweise man bei kleineren Beratungsfragen an die Apotheken. „In der Pandemie muss sich kein Arzt einen Fußpilz ansehen, da sagen wir, geh zur Apotheke.“ Gerade in kleinere Landarztpraxen schlössen sich Ärzt:innen zusammen und stellten eine Kolleg:in nur zum Impfen ab. Man könne die Regelversorgung in Teilen herunterfahren, betont sie.

Die niedergelassenen Ärzt:innen benötigten keine Unterstützung. Gerade nachdem im November das Honorar pro Impfung von 20 auf 28 Euro erhöht worden sei, hätten die Praxen in Personal investiert. „Da hat sich etwas verändert und Strukturen wurden geschaffen.“ Ihre ablehnende Haltung gegenüber Impfungen in Apotheken hat genau damit zu tun: „Es geht um den Schutz unserer eigenen Struktur.“ Denn die Sorge sei vorhanden, dass noch weitere ärztliche Dienstleistungen in die Apotheken verlagert würden.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema
Mehr aus Ressort
Suspension und Kapseln
Sildenafil in der Pädiatrie »
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt »
Report Mainz über Impfpassfälschungen
Apotheken im Fadenkreuz von Impfgegnern »
Weiteres
Podcast NUR MAL SO ZUM WISSEN
Karl, der Mal-sehen-wie-Große»
Mehr Transparenz in der Lieferkette
EMA bekommt Engpass-Datenbank»
Streit um das Millionenprojekt
LAV-Beitrag: 50 Euro pro Monat für Gedisa»
Suspension und Kapseln
Sildenafil in der Pädiatrie»
„Der Betriebsablauf darf nicht gestört werden“
Angestellte abwerben: Das ist nicht erlaubt»
Report Mainz über Impfpassfälschungen
Apotheken im Fadenkreuz von Impfgegnern»
Dosierung, bedenkliche Stoffe, Preis
Retaxgefahr Rezeptur»
Rechtliche und pharmazeutische Aspekte
Grauzone: Abgabe von mehreren OTC-Packungen»