Impfen in Apotheken: Vorher Versicherung checken!

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Berlin - Ein kurzer Piekser und fertig ist die Impfung: So einfach wie für Patienten gestalten sich Grippeschutzimpfungen für Apotheker natürlich nicht. Viel ist zu beachten, denn zumindest theoretisch kann auch einiges schiefgehen. Bisher war der Eingriff in die Unversehrtheit des Patienten nicht Teil des apothekerlichen Berufsbildes. Deshalb stellt sich für die Pharmazeuten – zunächst nur die Teilnehmer von Modellprojekten – eine Frage: Was ist mit meiner Versicherung? Zahlt die, wenn etwas schiefgeht? Die Versicherungsvermittler Michael Jeinsen und Apotheken-Haftpflichtexperte Michael Pfeiffer von der PharmAssec Apotheken Assecuranz bringen etwas Licht ins Dunkel und geben Tipps, wie Apotheker auf Nummer sicher gehen können.

Impfungen sind keine apothekenübliche Tätigkeit – das gilt jedoch nur im umgangssprachlichen Sinne, wie Jeinsen und Pfeifer erklären. Denn mit dem Masernschutzgesetz wurde die rechtliche Grundlage für die Durchführung von Modellprojekten gelegt und im Kammerbezirk Nordrhein läuft das erste davon schon an. „Es ist im Rahmen dieser Modellprojekte für Apotheken offiziell erlaubt, zu impfen. Ob das schon ad nominem in der Berufsordnung steht, nur aus dem Sinngehalt oder – wie hier – aus modellprojektbezogenen Sonderanweisungen hervorgeht, ist letztlich nicht ausschlaggebend“, erklärt Jeinsen. Das heißt: Sobald Apotheken es dürfen – gar sollen – ist das Impfen auch eine betriebsübliche Tätigkeit.

„Als nunmehr betriebsübliches Risiko besteht grundsätzlich auf jeden Fall Versicherungsschutz. Auch wenn dazu in den jeweiligen Versicherungsscheinen oder Versicherungsbedingungen momentan noch nichts zu finden sein dürfte, da es sich um ein für Apotheken neues und je nach Ausgang des Modellprojekts möglicherweise auch vorübergehendes Risiko handelt“, hakt Pfeifer ein. Denn letztendlich seien es die Aufsichtsbehörden und Standesvertretungen, die das Sagen haben. „Wenn eine Aufsichtsbehörde vom Pharmazierat bis zur BAK sagt, dass Apotheken zum Beispiel Hämophilie-Produkte abgeben dürfen oder müssen, das E-Rezept testen oder eben impfen sollen, dann ist das automatische eine versicherte apothekenübliche Tätigkeit“, so Jeinsen. Das beziehe sich jedoch nur auf die jeweilige Region: Der Versicherungsschutz gilt nur für den Kammerbezirk, in dem ein Modellprojekt durchgeführt wird. Wenn das Modellprojekt endet, endet auch der Versicherungsschutz.

Also alles in Ordnung? Keinen Gedanken an Policen verschwenden und einfach losimpfen? Eine Rückmeldung an den Versicherer ist auf jeden Fall ratsam, mindestens um sicherzugehen, dass er die Tätigkeitserweiterung auch wirklich als betriebsüblich ansieht. „Ist dies der Fall, wäre dem Grunde nach gar keine Anzeige erforderlich, da praktisch alle nach dem jeweiligen Landesrecht bestehenden Berufsordnungen entsprechend erweitert wurden und die Impfungen dadurch als betriebsübliches Risiko gelten“, sagt Pfeifer. Dennoch, wendet Jeinsen ein, sollte man sichergehen: „Auf jeden Fall empfehle ich allen Apothekern, ihre sie betreuenden Versicherungsvermittler über den neuen Sachverhalt zu informieren. Man sollte nicht erwarten, dass der Versicherungsbranche diese neue Aufgabe bekannt ist.“

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