Impfungen in Apotheken: „Unausgereifter Schnellschuss mit fatalen Folgen“

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Berlin - Die Frage nach Grippeimpfungen in Apotheken bleibt ein Streitthema. Bis Juli hat es gedauert, bis das erste vertraglich vereinbarte Modellprojekt zustande kam. Im Kammerbezirk Nordrhein sollen Apotheken ab Herbst Impfungen durchführen. Nun keift der dortige Hausärzteverband gegen das Projekt. Es sei ein „gesundheitspolitisch unausgereifter Schnellschuss mit fatalen Folgen für die Gesundheitsversorgung in NRW“, so der Verbandsvorsitzende Dr. Oliver Funken.

Funken, der neben seinem Amt beim Verband auch im Vorstand der Ärztekammer Nordrhein sitzt, sieht in dem gemeinsamen Projekt von Apothekerkammer Nordrhein und AOK Rheinland/ Hamburg einen „Angriff auf die ärztlichen Leistungen in Krankenhäusern und Arztpraxen“. Denn: „Eine Grippeimpfung kann nicht im Vorbeigehen ohne jegliche Beratung erfolgen. Wir Hausärztinnen und Hausärzte wägen mit den Patienten gemeinsam die Notwendigkeit einer Impfung ab“, so Funken, der in Rheinbach bei Düsseldorf eine Einzelpraxis betreibt. Alle chronisch Kranken und Risikopatienten würden durch ihre Hausärzte im Direktkontakt erreicht.

Das gemeinsame Vorgehen von AOK und Apothekerverband führe darüber hinaus zu einer Wettbewerbsverzerrung. „Die Apotheken werden künftig immer Impfstoff verfügbar haben, um jederzeit diese Dienstleistung den Kunden anbieten zu können“, so Funken. Der Hausärzteverband Nordrhein bewerte diese Entwicklung für eine besser Versorgung vor Ort kritisch und sehe keinen Mangel an hausärztlichen Impfterminen, sondern vielmehr zuweilen einen eklatanten Mangel an Impfstoffen, deren Beschaffung immer schwieriger wird.

Nachbesserungsbedarf sehe der Hausärzteverband eher in anderen Bereichen: Die Verbesserung der Kooperation zwischen Apotheken und Ärzten vor Ort und der Ausbau der Zusammenarbeit in der Bereitschaftsdienstzeiten insbesondere in der Nacht und im ländlichen Raum wäre demnach eine Versorgungsverbesserung, die dringend aufgegriffen werden müsse. Das sei auch in Modellversuchen möglich. Wenn Patienten in der Nacht Notfallpraxen aufsuchen oder durch Hausbesuche aufgesucht werden, sei derzeit die notwendige Medikation nicht sichergestellt, weil Arztpraxen, Krankenhäuser und Fahrdienste keine entsprechende Medikation vorhalten dürfen. „Auf lokaler und regionaler Ebene arbeiten wir in der Gesundheitsversorgung an der Stärkung der Zusammenarbeit. Einer kooperativen zukunftsorientierte Entwicklung der Versorgungsstrukturen steht der Hausarztverband offen gegenüber.“, so Funken.

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