1700 Grippeimpfungen – in einer Apotheke

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Berlin - Mit zahlreichen zusätzlichen Kompetenzen haben sich die Apotheker in Neuseeland in den vergangenen Jahren einen neuen Status erarbeitet. Dass sie auch gegen Grippe impfen dürfen, erweist sich in Zeiten von Corona als Glücksfall. Während hierzulande der entscheidende Moment zu verstreichen droht, weil nur ein einziges Modellprojekt für Herbst geplant ist, haben die Kollegen Down Under erfolgreich dazu beigetragen, die Ärzte zu entlasten und die Impfquote zu erhöhen.

Üblicherweise beginnt die Grippesaison in Neuseeland im Mai; ab April wird daher in den Arztpraxen und seit 2011 auch in den Apotheken geimpft. In diesem Jahr gab Ashley Bloomfield, Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, aufgrund von Corona bereits im März den Startschuss – man wollte vermeiden, dass Grippe- und Corona-Patienten um Klinikbetten konkurrieren könnten. Explizit wies er auf die Möglichkeit der Impfung in der Apotheke hin.

Schnell sollte sich herausstellen, wie richtig er damit lag. Denn während vielerorts Arztpraxen und Gesundheitszentren wegen Corona vorübergehend schlossen und ihre Patienten nur noch per Videosprechstunde behandelten, blieben die Apotheken im Land durchweg geöffnet – irgendwoher mussten die Menschen ja ihre Medikamente bekommen. Zwar gab es Impfkampagnen seitens der Ärzte auf Parkplätzen, doch viele Menschen zogen es vor, sich ihre Spritze in der Apotheke geben zu lassen.

Alleine im Mai rechneten die Apotheken laut der Fachzeitschrift „Pharmacy Today“ knapp 122.000 Impfungen ab – was einem Anstieg von 335 Prozent entsprach. Der Anteil an den bis dahin insgesamt 1,4 Millionen verabreichten Impfdosen lag damit bei 14 Prozent – ein Jahr zuvor hatte er noch bei 6 Prozent gelegen. Neuere Daten gibt es noch nicht; Experten sprechen von „fantastischen Zahlen“, die die Position der Apotheken nachhaltig festigen dürften.

Offizieller Rekordhalter ist mit 1700 Impfungen bislang die Unichem-Apotheke von Jeff Whittaker in der Gemeinde Havelock North südlich von Napier an der Ostküste der Nordinsel. Der 80-jährige Inhaber gab gegenüber „Pharmacy Today“ zu Protokoll, man habe sich trotz aller Richtlinien stets bemüht, eine niedrigschwellige Anlaufstelle für die Patienten zu bleiben. „Wir haben die Patienten immer mit einem Lächeln begrüßt und sie nie als potenziell Infizierte behandelt.“

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