Nordrhein: Die ersten Apotheker haben geimpft

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Berlin - Die Grippesaison steht vor der Tür und zumindest im Kammerbezirk Nordrhein stehen schon 100 Apotheken in den Startlöchern: Im Rahmen des Modellprojekts des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR) und der AOK Rheinland/Hamburg sollen sie die ersten deutschen Pharmazeuten sein, die gegen die Grippe impfen. Die ersten Apotheker sind bereits mit den Schulungen durch und haben das Praxisseminar mit einer echten Grippeschutzimpfung abgeschlossen – an ihren Kollegen.

Eine Zeitlang sah es so aus, als würde es knapp werden: Zum 1. März trat das Masernschutzgesetz in Kraft und ebnete den Weg für Grippeimpfungen in Apotheken. Die Euphorie bleib jedoch vorerst aus – die Covid-19-Pandemie überschattete alle anderen Themen – nicht nur, aber besonders in den Apotheken. AVNR und AOK Rheinland/Hamburg schafften es anders als die restlichen Kammerbezirke dennoch, pünktlich ein Projekt auf die Beine zu stellen. Drei Jahre soll es laufen und nach allgemein anerkannten wissenschaftlichen Standards begleitet und ausgewertet werden. Von den rund 2000 Apotheken im Kammerbezirk sind vorerst 100 beteiligt, die sich vorab in einem formlosen Verfahren beworben hatten.

Die beiden dafür notwendigen Vorbereitungskurse haben die ersten Apotheker nun absolviert: erst ein Onlineseminar vor knapp drei Wochen, dann ein Praxisseminar in Düsseldorf. Der zehnstündige Kurs musste zwar mit einer Prüfung abgeschlossen werden, ohne die man keine Einladung zum Praxisseminar bekam, war aber nach Darstellung eines Teilnehmers durchaus zu bewältigen. „Im Seminar ging es sehr viel um Pharmakologie auf Impfungen bezogen: Was ein Virus ist und wie es aufgebaut ist, was für Impfstoffe es gibt, wie die hergestellt werden und so weiter“, erinnert sich der Apotheker, der aus Angst vor der Reaktion der Ärzte in seiner Gegend vorerst nicht namentlich genannt werden will. „Das waren alles Sachen, die wir schon im Pharmaziestudium gelernt haben, nichts Neues. Es sollte eher sichergestellt werden, dass wir alle auf dem aktuellsten Stand sind.“ Für ihn war die Themensetzung zwar logisch und nachvollziehbar – trotzdem hatte sie eine gewisse Komik. „Wir vertreiben die Impfstoffe seit jeher zu Tausenden. Selbstverständlich haben wir uns vorher schon mit dem Thema ausgekannt“, sagt er.

Hinter den beiden Schulungen stehen die Bundesapothekerkammer (BAK), die das Curriculum erarbeitet hat, und die Apothekerkammer Nordrhein (AKNR), die die Fortbildungen organisiert hat – und zwar sehr erfolgreich, wie Geschäftsführer Dr. Stefan Derix betont. „Wir haben schon viel Erfahrung mit Webinaren und konnten das deshalb sehr gut umsetzen. Der zweite Teil war aber auch für uns neu und mit einem hohen materiellen Aufwand verbunden. Aber auch das haben wir logistisch sehr gut hinbekommen.“ Nicht leicht sei es gewesen, Ärzte zu finden, die bereit sind, Apotheker im Impfen zu schulen – die Vorbehalte sind bekanntlich sehr groß. Fündig wurde die Kammer bei Dr. Thomas Menn, einem erfahrenen Mediziner aus dem öffentlichen Gesundheitswesen. „Er war dem Projekt gegenüber positiv eingestellt und leicht dafür zu gewinnen.“

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