Grippeschutzimpfungen: Nordrhein geht voran

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Berlin - Mit dem Masernschutzgesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erhielten die Apotheker die Möglichkeit, ihre Kompetenzen im Rahmen von Modellprojekten für Grippeschutzimpfungen zu erweitern. Inzwischen ist die Bestellfrist für den Grippeschutzimpfstoff für die kommende Saison 2020/21 abgelaufen. Abda-Präsident Friedmann Schmidt hat angekündigt, dass „bald erste Vereinbarungen geschlossen werden sollen“ – es gebe dafür „Sondierungen“. Eine Abfrage von APOTHEKE ADHOC bei den Landesapothekerverbänden (LAV) ergab ein ernüchterndes Bild: Modellprojekte von Apothekern gibt es nicht, in vielen Gegenden gab es noch nicht einmal Kontakte mit Krankenkassen. Nur in Nordrhein gibt es Hoffnung: Dort steht Verbandschef Thomas Preis kurz vor einem Abschluss.

Die Pandemiesituation habe „erwartungsgemäß verzögernd gewirkt“, entschuldigt Schmidt die Zurückhaltung bei beim Thema Grippeschutzimpfungen durch Apotheker. Der Deutsche Apothekerverband (DAV) antwortete bereits Anfang April ausweichend auf die Frage nach dem Fortschritt bei Modellprojekten: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Lösungen für akute Probleme in der aktuellen Corona-Situation für den DAV und die Landesverbände absoluten Vorrang haben. Nichtsdestotrotz gab es bereits erste Kontakte und Gespräche mit Primärkassen auf Landesebene und Ersatzkassen auf Bundesebene. Innerhalb des DAV herrscht Einigkeit darüber, Modellprojekte anhand klar definierter Qualitätskriterien zu initiieren und gewonnene Erfahrungen dabei auszutauschen. Basis und Inhalt von Vertragsverhandlungen mit Krankenkassen werden das Schulungscurriculum und die Leitlinie der Bundesapothekerkammer sein, die bereits veröffentlicht sind.“

Die Abfrage von APOTHEKE ADHOC ergab folgendes Bild: Der LAV Sachsen-Anhalt hat über Modellprojekte zur Grippeschutzimpfungen noch keine Gespräche mit Krankenkassen geführt. Das gilt auch für die Verbände in Rheinland-Pfalz, Hamburg, Hessen und Schleswig-Holstein. Der Bayerische Apothekerverband (BAV) begrüßt zwar die Möglichkeit von Modellprojekten zur Grippeimpfung in Apotheken. Weitergekommen ist man aber auch in München nicht: „Eine erste Kontaktaufnahme mit eventuellen Partnern zur Sondierung der grundsätzlichen Bereitschaft, Aktionen durchzuführen, hat stattgefunden, kann jedoch aktuell nicht fortgeführt werden. Hintergrund ist, dass die aktuelle Corona-Krise derzeit alle Ressourcen bindet“, teilte ein Sprecher mit. Im baden-württembergischen Heimatverband von DAV-Chef Fritz Becker sind immerhin Sondierungsgespräche geführt worden: „Konkrete Verhandlungen gibt es bislang nicht“, so ein Sprecher.

In Westfalen-Lippe ist man schon ein Stück weiter: „Derzeit laufen Arbeiten an einem Vertragsentwurf, um damit in Gespräche mit Krankenkassen zu gehen. Erste Vorabgespräche haben stattgefunden.“ Der AVWL sei bereit, den Willen des Gesetzgebers umzusetzen und ein solches Modellprojekt zu starten, um so dazu beizutragen, über die von den Ärzten durchgeführten Schutzimpfungen hinaus die Impfquote zu erhöhen. Die Erfahrungen aus anderen Ländern wie der Schweiz hätten gezeigt, dass sich die Impfquote durch ein niedrigschwelliges Angebot in den Apotheken vor Ort deutlich erhöhen lasse, wobei die Impfungen in den Apotheken nicht die Impfungen durch die Ärzte ersetzten, sondern noch on top kämen: „Der AVWL bemüht sich um eine möglichst breite Beteiligung an dem Projekt.“

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