Verpasste Chance: Wo bleiben die Grippeschutz-Modellprojekte?

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Berlin -

Kurz vor Weihnachten stimmte der Bundesrat dem umstrittenen Masernschutzgesetz von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu. Damit erhielten die Apotheker die Möglichkeit, ihre Kompetenzen und Aufgaben im Rahmen von Modellprojekten für Grippeschutzimpfungen zu erweitern. Mitte April endet die Bestellfrist für den Grippeschutzimpfstoff für die kommende Saison 2020/21. Modellprojekte von Apothekern gibt es noch nicht, diese sind in der Corona-Krise nicht vorangekommen. Damit verpassen die Apotheker womöglich ihre Chance, sich für eine später kommende Corona-Impfwelle zu empfehlen.

Der Deutsche Apothekerverband (DAV) antwortet nur ausweichend auf die Frage nach dem Fortschritt bei Modellprojekten für Grippeschutzimpfungen: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Lösungen für akute Probleme in der aktuellen Corona-Situation für den DAV und die Landesverbände absoluten Vorrang haben. Nichtsdestotrotz gab es bereits erste Kontakte und Gespräche mit Primärkassen auf Landesebene und Ersatzkassen auf Bundesebene. Innerhalb des DAV herrscht Einigkeit darüber, Modellprojekte anhand klar definierter Qualitätskriterien zu initiieren und gewonnene Erfahrungen dabei auszutauschen. Basis und Inhalt von Vertragsverhandlungen mit Krankenkassen werden das Schulungscurriculum und die Leitlinie der Bundesapothekerkammer sein, die bereits veröffentlicht sind.“ Das klingt nicht so, als ob jemand im Abda-Haus mit Hochdruck versucht, das Thema voranzubringen.

Beim Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) ist man da schon etwas weiter, allerdings gibt es dort noch kein vertragsreifes Modellprojekt: „In Westfalen-Lippe steht der Apothekerverband bereit, den Willen des Gesetzgebers umzusetzen und plant ein Modellvorhaben, damit in Zukunft Patienten in den Apotheken vor Ort gegen Grippe geimpft werden können“, so Verbandschef Dr. Klaus Michels. Die Erfahrungen aus anderen Ländern wie der Schweiz hätten gezeigt, dass sich die Impfquote durch ein niedrigschwelliges Angebot in den Apotheken vor Ort deutlich erhöhen lasse, wobei die Impfungen in den Apotheken nicht die Impfungen durch die Ärzte ersetzten, „sondern noch on top kommen“.

Weil aufgrund der Corona-Pandemie das große Risiko bestehe, dass das Gesundheitswesen an seine Kapazitätsgrenzen komme, werde es vor der kommenden Grippesaison wichtig sein, die Impfquote zu steigern. Es werde also ein erhöhtes Impfaufkommen geben. „Die Apotheken vor Ort sind bereit, ihren Beitrag zu leisten und Verantwortung zu übernehmen“, so Michels. Der AVWL stehe in Sachen Modellprojekt Grippeimpfung in Kontakt mit der verfassten Ärzteschaft in Westfalen-Lippe. Er steht ebenfalls im Austausch mit dem „Arbeitskreis Impfen“ der Landesapothekerverbände. Vorbereitungen seien im Gange.

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