Vollgas ins Impfstoff-Dilemma?

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Berlin - Ausgangsbeschränkung und Kontaktverbot zum Trotz: Experten rechnen damit, dass sich die Corona-Krise über Monate hinzieht oder dass es spätestens im Herbst zu einer zweiten Welle kommt. Das könnte gravierende Folgen haben, denn dann kommt auch die Grippe- und Erkältungssaison in Gang. Das Fenster, um später Risikogruppen umfassend gegen Influenza impfen zu können, schließt sich gerade. Und ohne die Apotheker wird es kaum gehen, doch die haben das Thema offenbar aus dem Blick verloren.

Was vielen Menschen derzeit fehlt, ist eine Orientierung, wie es im Kampf gegen Corona langfristig weitergeht. Der Shut Down lähmt die Wirtschaft, doch die seit März ergriffenen Maßnahmen könnten nur Vorgeplänkel sein: Denn gerade im Herbst die Menschen wieder in Schulen, ÖPNV und Büros zu entlassen, wenn die Erkältungssaison beginnt, klingt noch weitaus riskanter als die derzeitigen Lockerungen.

Noch wissen Experten nicht, ob die Aktivität des Coronavirus im Sommer abnimmt und ob stattdessen im Herbst mit einer zweiten Welle gerechnet werden muss. Die Auswirkungen könnten fatal sein: Einerseits sind die Menschen in der kalten Jahreszeit ohnehin anfälliger für Atemwegserkrankungen, andererseits könnte Sars-CoV-2 im Zusammenspiel mit den saisonalen Erkältungsviren zu schwerwiegenderen Verläufen führen.

Und dann wäre da noch das Influenzavirus. Laut Robert Koch-Institut (RKI) verursachen die saisonalen Grippewellen zwischen einer und sieben Millionen zusätzliche Arztkonsultationen, in Jahren mit ausgeprägter Saison auch deutlich mehr. Nach Schätzungen erkranken pro Jahr zwischen zwei und 14 Millionen Menschen an Influenza. Da wie bei Corona nicht jeder Infizierte erkrankt wird die Zahl der Infektionen sogar auf 4 bis 16 Millionen Menschen geschätzt, was 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung entspricht. Die Zahl der Todesfälle schwankt je nach Ausprägung stark, von mehreren hundert bis über 20.000.

Im schlimmsten Fall könnten im Winter Corona- und Influenza-Patienten mit besonders schweren Verläufen um die Intensivbetten in den Kliniken konkurrieren – womit das Gesundheitssystem selbst bei einer halbwegs kontrollierten Corona-Ausbreitung schnell wieder an die Belastungsgrenze käme.

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