Pharmaziestudenten: Apotheken sollen gegen Covid-19 impfen

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Berlin - Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden (BPhD) fühlt sich von der Bundesregierung übergangen: Seinen Forderungen nach einer temporären Änderung der Approbationsordnung als Antwort auf die Coronakrise seien nicht gehört worden. Das sei unverständlich – denn die jetzigen Schwierigkeiten an den Universitäten werden unter den aktuellen Bedingungen zu einer Verschärfung des Fachkräftemangels und damit einer Gefahr für die Arzneimittelversorgung führen. Die Studierenden geben der Politik aber auch weitere Ratschläge mit auf den Weg: Apotheken sollen künftig nicht nur gegen Grippe, sondern auch gegen Covid-19 impfen.

Der BPhD sieht die ausreichende Verfügbarkeit pharmazeutischer Nachwuchskräfte weiter in Gefahr: Sowohl an den Unis als auch in der Famulatur und dem Praktischen Jahr (PJ) kommt es derzeit zu massiven Einschränkungen. Arbeitet ein Student oder Pharmazeut im Praktikum (PhiP) beispielsweise in einer Apotheke mit Schichtbetrieb, kommt er nicht auf die Arbeitsstunden, die er nachweisen muss, um zum Staatsexamen zugelassen zu werden. Die Folge: Schlimmstenfalls könnten dieses Jahr tausende Studenten ihre Prüfungen nicht ablegen und müssten länger studieren.

Der BPhD forderte deshalb Anfang April von der Bundesregierung eine „Verordnung zur Abweichung von der Approbationsordnung für Apotheker (AAppO) bei einer epidemischen Lage nationaler Tragweite“. Demnach sollen PhiP auch zum Staatsexamen zugelassen werden, wenn sie nicht auf die vorgeschriebenen Stunden kommen: Um bis zu 50 Prozent solle die Zahl der absolvierten Stunden von den bisherigen Vorgaben abweichen können. Fehlzeiten, die im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie stehen, sollen demnach nicht als Fehlzeiten im Sinne der AAppO angerechnet werden. Ähnlich sehe es bei den Famulaturen aus: Um zu gewährleisten, dass Studierende keine Nachteile zu befürchten haben, weil ihre Famulatur wegen der Pandemie abgebrochen wurde, empfiehlt der BPhD, dass auch abgebrochene Famulaturen als ein vollständiger Teil der gesamten Famulaturzeit anerkannt werden. Auch der Praktikumsbegleitende Unterricht (PBU) komme vielerorts zu kurz, weshalb auch dort größere Abweichungen erlaubt werden sollen.

Zur Politik konnten die Studenten mit diesen Ratschlägen allerdings nicht durchdringen. „Die Nichtbeachtung des Pharmaziestudiums in den Ausführungen ist für uns unverständlich“, kritisiert der BPhD in seiner Stellungnahme zum Entwurf eines Zweiten Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage nationaler Tragweite. Hier waren nur Ausnahmen für Zahnmediziner sowie Ausbildungsberufe wie PTA aufgenommen worden. „Eine solche temporäre Änderung der AAppO ist aus unserer Sicht zwingend notwendig.“

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