KBV lobt und missversteht Schmidt

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Berlin -

Immer wenn es um das Thema Impfen geht, steht die rote Linie zwischen Apothekern und Ärzten zur Disposition. Daher registrieren beide Berufsgruppen Äußerungen dazu mit großer Aufmerksamkeit. Abda-Präsident Friedmann Schmidt hatte sich nach der Mitgliederversammlung zu Grippe- und möglichen Coronaschutzimpfungen durch Apotheker geäußert. Dies nahm die Kassenärztliche Bundesvereinigung prompt zum Anlass, darauf zu reagieren und begrüßte Schmidts Aussage zur Rollenverteilung von Ärzten und Apothekern beim Impfen. „Der Chef der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hatte die Zuständigkeit der Vertragsärzte beim Thema Impfen in einer Pressekonferenz herausgestellt“, so die KBV-Mitteilung. Nur: So eindeutig wie die KBV Schmidts Aussage interpretiert, war sie tatsächlich nicht.

„Wir halten die Klarstellung der Abda für unerlässlich und erachten es als essenziell, dass sich die Spitzenorganisation der Apothekerinnen und Apotheker so äußert“, erklärte KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen. „Es ist richtig und wichtig, dass das Impfen originär eine Angelegenheit der Ärzte ist“, ergänzte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV. „Daher ist es zu begrüßen, dass wir eine gemeinsame Linie finden und uns in dieser Sache einig sind.“ Laut KBV hatte Schmidt nach der Abda-Mitgliederversammlung erklärt, dass Impfen aus seiner Sicht eine ganz zentrale ärztliche Leistung sei – vor allem von Haus- und Kinderärzten. Nur wenn „übergeordnete Gründe“ – beispielsweise Massenimpfungen bei einer Durchimpfung der Bevölkerung gegen Grippe- oder Covid-19-Infektionen – es erforderlich machen sollten, würden sich die Apotheker bereit erklären, entsprechend zu helfen. Primär seien Impfungen aber eine Aufgabe von Ärztinnen und Ärzten.

Auf eine entsprechende Frage zum Impfen durch Apotheker hatte der Abda-Präsdent in seiner Antwort weit ausgeholt und zunächst von einem Besuch bei seiner Tochter berichte, die als Ärztin arbeite. Diese habe ihm gesagt, Impfen werde zu einer „paramedizinischen Leistung verramscht“. Einer solchen Aussage würde er „immer widersprechen“, sagte Schmidt. „Impfen ist eine ganz zentrale ärztliche Leistung, auch aus Sicht der Bevölkerung ganz besonders mit Haus- und Kinderärzten verbunden. Das soll auch so sein. Dafür gibt es gute Gründe. Niemand bestreitet das.“

Aber welche Rolle können Apotheker dabei spielen, fragte der Abda-Präsident. Die Trennlinie zwischen beiden Heilberufen ist ja nicht zufällig so festgelegt. Und daran werde sich in Zukunft nichts ändern. „Aber wie immer bei solchen Grundsatzfragen hat der Gesetzgeber immer die Möglichkeit, Abweichungen zu formulieren, immer dann, wenn übergeordnete Gründe dafür sprechen, von diesem Regelprinzip abzuweichen“, so Schmidt. Man habe jetzt ein solches Feld, „die Grippeimpfung, auf dem eine solche Abweichung definiert wurde in einem sehr überschaubaren Bereich mit einer Erprobung zunächst in Modellprojekten.“ Für Grippeimpfungen in der Apotheke habe die Bundesapothekerkammer jetzt völlig zurecht eine Leitlinie formuliert für Schulungen und andere Vorkehrungen. Schmidt: „Es bleibt aber dabei, dass das Grippeimpfen von uns als ergänzende Leistung zu unserer zentralen Leistung verstanden wird – auch wegen der nach wie vor unzureichenden Impfquote“.

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