Euler Hermes will Rezeptabrechnung versichern

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Berlin -

Das Geld ist weg – und wenn es schlecht läuft, kommt es auch nicht wieder. Die Apotheken, die durch die AvP-Pleite in finanzielle Schieflage geraten sind, müssen nicht nur das Insolvenzverfahren abwarten, sondern dürften auch besonders gespannt auf ein mögliches Betrugsverfahren schauen. Der Kreditversicherer Euler Hermes hat wegen des Falles nun Apotheken als Kunden entdeckt und seinen Versicherungsschutz bei der Vertrauensschadenversicherung (VSV) um Apothekenrechenzentren erweitert. Apotheken sollen sich so gegen einen Fall wie die AvP-Pleite versichern können. Versicherungsexperte Michael Jeinsen empfiehlt jedoch, sich solche Angebote ganz genau anzusehen.

Rund 600 Millionen Euro sollen bei AvP laut Gläubigerangaben noch offen sein – ob durch Betrug seitens der Geschäftsführung oder eklatantes Missmanagement, wird wohl ein strafrechtliches Verfahren klären müssen. Der Verdacht steht jedenfalls im Raum. Im Schnitt sollen betroffene Apotheken auf einem Fehlbetrag von 120.000 Euro sitzen – wie viel von dem Geld sie je wiedersehen, steht derzeit noch in den Sternen.

Hier will Euler Hermes nun – nach eigenen Angaben als erster Versicherer – in die Bresche springen. „Wir bieten mit diesem Baustein Apotheken erstmals die Möglichkeit, sich gegen die finanziellen Ausfälle durch Betrug, Veruntreuung oder Unterschlagung bei Abrechnungszentren zu schützen“, sagt Rüdiger Kirsch, Betrugsexperte bei Euler Hermes. „Am aktuellen Beispiel haben wir gesehen, dass ein solcher Betrug viele Apotheken sogar in ihrer Existenz bedroht. Um das künftig zu verhindern, haben wir unseren Versicherungsschutz erweitert.“

Dazu hat Euler Hermes die VSV nun explizit um Betrug durch Apothekenrechenzentren erweitert. Normalerweise soll eine VSV Unternehmen gegen die finanziellen Schäden durch Betrug von eigenen Mitarbeitern und externen Dritten schützen. „Externe Dritte sind neben Hackern auch die Putzfrau oder der IT-Dienstleister, der die digitale Infrastruktur bereitstellt oder wartet“, sagt Kirsch. „Nun haben wir diesen Schutz auf externe Abrechnungsdienstleister von Apotheken erweitert sowie deren Angestellte, die im Auftrag der Apotheken berufsübliche Dienstleistungen erbringen – auch dann, wenn die Tätigkeit für das versicherte Unternehmen nicht in den Räumen oder auf dem Betriebsgelände des versicherten Unternehmens ausgeübt wird.“

Bisher habe es eine solche Versicherung noch nicht gegeben. Die Kosten werden individuell berechnet, laut Kirsch fangen sie bei 1500 Euro im Jahr an. Schaue man sich die Außenstände im aktuellen Betrugsfall an, sei das vermutlich sehr gut investiertes Geld. „Es hilft zwar im aktuellen Fall nicht mehr – aber damit können sich Apotheken in Zukunft genau gegen solche Betrugsfälle schützen.“

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