TI-Probleme: „Für Apotheken eine absolute Katastrophe“

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Berlin -

Tausende Arztpraxen können immer noch keine Versichertenkarten auslesen – die Verbindungsprobleme der Telematikinfrastruktur (TI) halten die vierte Woche in Folge an. Immerhin: Die Gematik vermeldet Fortschritte. Beim Konnektorenanbieter Red Medical empfindet man das als Hohn: „Was von der Gematik hier als Erfolg verkauft wird, ist tatsächlich eine Kapitulationserklärung“, kritisiert dessen Geschäftsführer Jochen Brüggemann.

„Unsere gemeinsamen Unterstützungsmaßnahmen zeigen Erfolge für alle Betroffenen“, zeigt sich Björn Kalweit, Leiter Operations bei der Gematik, erfreut. „Dank der Anstrengung aller Akteure – besonders der VPN-Zugangsdienst-Anbieter – und der engen Kommunikation untereinander verzeichnen wir deutliche Fortschritte. Ein gutes Signal!“ Medizinische Einrichtungen, die nach wie vor von der Störung betroffen sind, seien aktuell in ihren Praxisabläufen kaum beeinträchtigt. „Das Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte funktioniert auch offline“, so die Gematik. Denn die Leistungserbringer könnten stattdessen einen abrechnungsrelevanten Prüfnachweis schreiben.

Die TI-Gesellschaft sei sich darüber bewusst, „dass die Behebung des Problems von allen Beteiligten einen gemeinsamen Einsatz erfordert“ und bitte alle betroffenen medizinischen Einrichtungen, entweder das zur Beseitigung erforderliche Update zügig selbst vorzunehmen oder umgehend, nämlich noch in diesem Monat, einen Termin mit den jeweiligen IT-Servicepartner zu vereinbaren, um das erforderliche Update in Zusammenarbeit manuell per Fernwartung oder bei einem Vor-Ort-Termin einzuspielen.

Die meisten Arztpraxen müssen das der Gematik zufolge aber auch gar nicht mehr offline machen. Rund zwei Drittel der Konnektoren seien nämlich schon wieder einsatzbereit. „Wenn zwei Drittel verbunden sind, dann ist es ein Drittel nicht“, wendet Brüggemann ein. „Was hier als ‚gutes Signal‘ dargestellt und mit beruhigenden Worten beschrieben wird, stellt für Apotheken eine absolute Katastrophe dar.“ Denn im aktuellen Entwurf der Gematik sei eine Offline-Variante des E-Rezeptes nicht vorgesehen. „Das bedeutet, dass Apotheken, deren Konnektor nicht mit der TI verbunden ist, keine E-Rezepte empfangen können.“

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