Streit um Refinanzierungsvereinbarung

TI-Konnektoren: Kassen wollen zahlen, DAV widerspricht

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Berlin -

Die Frage der Erstattung des TI-Equipments für Apotheken scheint noch offen: Dem Deutschen Apothekerverband (DAV) zufolge ist die Refinanzierungsvereinbarung wegen einer „nicht eingetretenen Bedingung“ noch nicht gültig. Laut GKV-Spitzenverband ist die Vereinbarung dagegen sehr wohl gültig. Auch das Angebot des Münchner Unternehmens Red Medical ist entgegen der Aussage des DAV erstattungsfähig, erklären dessen Geschäftsführer und der GKV-Spitzenverband einhellig.

Bekommen Apotheken die Kosten für ihre TI-Zugangspakete erstattet und wenn ja: für welche? In dieser Frage scheint derzeit Verwirrung zu herrschen. Der DAV hatte in einem Schreiben an die Geschäftsführer der Landesverbände vermeldet, dass die mit dem GKV-Spitzenverband abgeschlossene Refinanzierungsvereinbarung „aufgrund einer nicht eingetretenen Bedingung nie in Kraft getreten“ sei. Und auch wenn die Vereinbarung in Kraft wäre, so der DAV, sei das Angebot von Red Medical, bei dem die Konnektoren nicht in der Apotheke, sondern im Rechenzentrum stehen, nicht erstattungsfähig. „Nach dem derzeitigen Verhandlungsstand ist das Angebot der Firma Red Medical nicht von der Refinanzierungsvereinbarung erfasst.“

Mit dieser Einschätzung scheint der DAV allerdings allein dazustehen. „Wir sind in höchstem Maße irritiert von dem, was da berichtet wurde“, sagt Geschäftsführer Jochen Brüggemann, dessen Geschäftsmodell von der Einschätzung des DAV torpediert wird. „Wir können das nicht begreifen, das ist ein Schlag ins Gesicht.“ Nach seiner Auffassung gibt es keinen Zweifel daran, dass das Paket seines Unternehmens ebenso erstattet wird wie die von Noventi, CGM, ADG und Pharmatechnik. Insbesondere sei ihm die Einschätzung unbegreiflich, weil die Frage bei der Ärzteschaft schon geklärt sei. „Dort ist die Erstattung unseres Angebots bereits gelebte Praxis.“

Brüggemann vermutet, mit der „nicht eingetretenen Bedingung“ sei die Frage nach der Art der Konnektoren gemeint. Denn die im Dezember 2018 unterschriebene Refinanzierungsvereinbarung umfasst nur die Betriebskosten für eHealth-Konnektoren: Mit einem normalen VSDM-Konnektor kommt man zwar in die TI, kann aber nur das Versichertenstammdatenmanagement durchführen. Für Medikationsplan, KOM-LE und das Notfalldatenmangenement benötigt man einen eHealth-Konnektor. Ein VSDM kann allerdings per Update zu einem eHealth-Konnektor aufgerüstet werden. Nun kann sich eine Apotheke jener Vereinbarung zufolge zwar die Anschaffung eines VDSM-Konnektors erstatten lassen, nicht jedoch die Betriebskosten für diesen. Um die Betriebskosten erstattet zu bekommen, muss sie einen eHealth-Konnektor kaufen oder den VSDM-Konnektor upgraden – so die Auffassung des GKV-Spitzenverbands. Der DAV wiederum will eine Betriebskostenerstattung auch für VSDM-Konnektoren, was aus GKV-Sicht keinen Sinn macht, weil der Konnektor nicht ausreicht, um das vorgeschriebene Leistungsspektrum abzudecken.

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