Baden-Baden

Workshop: PTA lernen Armut kennen

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Berlin -

Die angehenden PTA der Bernd-Blindow-Schule in Baden-Baden bekamen am 20. März ein Gefühl dafür, was es bedeutet, arm zu sein. Bettina Weiß von der Caritas und Adelheid Blaich von der Diakonie vermittelten den Schülern praxisnah die Lebenswirklichkeit von Menschen in Armut. Die Schüler konnten aus dem Workshop nicht nur wichtige Dinge für ihren späteren Arbeitsalltag mitnehmen, auch für ihr Privatleben gab es bewegende Erkenntnisse.

Der Workshop wurde an der Schule zum ersten Mal im Rahmen der alljährlich stattfindenden Woche der Armut abgehalten. Diese fand bereits im vergangenen Oktober unter dem Motto „Armut bedroht jeden!“ statt. In den Vorträgen der Sozialberatungen von Caritas und Diakonie geht es um die Lebenswirklichkeit der von Armut betroffenen Menschen in Deutschland. Begleitet wurden die Schüler durch Wirtschafts- und Sozialkunde-Dozent Alexander Bulazel.

Der Nachwuchs soll durch den Workshop und die tiefen Einblicke vor allem sensibilisiert werden. Gerade für PTA sei es wichtig, ein Gespür für solche Dinge zu entwickeln. Leider werde man heutzutage auch im Apothekenalltag regelmäßig mit Armut konfrontiert. „Viele Kunden verhalten sich komisch, weil sie kein Geld für ihre Medikamente haben“, erklärt Bulazel. Dieses Verhalten sei oft durch Scham begründet. „Die Beratung wird dann relativ schwierig, weil man es nicht einordnen kann.“

„Es gibt immer wieder Patienten, die sich frei verkäufliche Medikamente oder auch die Zuzahlungen nicht leisten können“, sagt der Dozent. Vielen Betroffenen falle es schwer, dies zuzugeben – vor allem älteren Kunden, die ihr Leben lang gearbeitet hätten und nun vor dem Nichts stünden. „Man muss dann schauen, dass man sie empathisch mitnimmt“, rät der Dozent. PTA können dann beispielsweise auf günstigere Alternativen ausweichen. Aber auch Aufklärungsarbeit kann geleistet werden: Viele Betroffene wissen nicht, dass sie sich von der Zuzahlung befreien lassen können. Hier kann eine empathische und sensible Beratung aufklären und den Betroffenen helfen.

Die Sozialpädagoginnen vermittelten den Schülern alltägliche Probleme, die bei Armut entstehen: Betroffene können sich oft dringend nötige medizinische Untersuchungen nicht leisten. Anschaffungen wie eine neue Brille sind finanziell nicht umzusetzen. Für viele ist der Gang zur Sozialberatung unausweichlich. Die angehenden PTA bekamen verschiedene Lebenssituationen vorgestellt. Sie entwickelten ein Gespür dafür, was es heißt, in Armut leben zu müssen. Desweiteren lernten sie, was es bedeutet, einen Hartz-IV-Antrag auszufüllen: Es müssen sehr intime und persönliche Daten eingetragen werden. „Da haben viele der Schüler schon schlucken müssen“, berichtet Bulazel.

Die Schüler, aber auch Bulazel selbst waren von den Erzählungen der Sozialarbeiterinnen sehr beeindruckt. Oft halte sich in den Köpfen das Klischee vom faulen Hartz-IV-Empfänger. „Man konnte hier aber sehen, dass viele einfach nur durch die Maschen des Systems gefallen sind.“ In Deutschland gebe es viele Leute, die genau schauen müssten, wofür sie ihr Geld ausgeben. „Und das wird sich in Zukunft vermutlich noch verschärfen“, gibt Bulazel zu bedenken.

An der PTA-Schule finden daher regelmäßig Workshops zum Thema Schuldenprävention statt. Diese sollen den Schülern vor allem privat zugute kommen. „Es werden Schuldenfallen erläutert und Gefahren beim Abschließen von Kredit- oder Handyverträgen erklärt.“ Auch um politische Workshops für seine Schüler ist Bulazel stets bemüht.

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