Zur Rose-Chef schwärmt vom eRezept

Oberhänsli: Kurzfristig 10 Prozent vom Rx-Markt dpa/ APOTHEKE ADHOC, 20.04.2019 08:36 Uhr

Berlin - DocMorris will stationären Apotheken nach der Einführung elektronischer Rezepte noch mehr Geschäft abjagen. Der Anteil des Online-Handels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten könne mit E-Rezepten von heute 1,3 Prozent innerhalb kurzer Zeit auf 10 Prozent steigen, sagte der Chef der Schweizer DocMorris-Mutter Zur Rose, Walter Oberhänsli: „Dann ist die Versandapotheke nur noch einen Klick entfernt.“ Bislang müssen Kunden die Papierrezepte per Post einschicken und deshalb einige Tage auf ihre Medikamente warten.

Oberhänsli rechnet damit, dass das notwendige Gesetz noch vor der Sommerpause verabschiedet wird. Im Idealfall könnten nach seinen Vorstellungen dann nach einem Jahr alle Ärzte Rezepte elektronisch ausstellen und alle Apotheken diese Rezepte auslesen. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass das eRezept schnell und flächendeckend umgesetzt wird, weil dann die Chance wächst, dass der Kunde bei uns kauft statt in einer stationären Apotheke“, so Oberhänsli.

Aktuell können ausländische Versandapotheken Kunden noch mit Rabatten auf die Zuzahlung locken. Dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in seinem Entwurf für ein Apothekenstärkungsgesetz Rx-Boni verbieten will, ärgert Oberhänsli. „Wenn Apotheker darauf bestehen, dass alle gleich lange Spieße haben, könnte man ja allen solche Boni gestatten, statt sie zu verbieten“, meinte er. Er rechnet auch ohne Preisvorteil damit, dass Kunden den Komfort einer Online-Bestellung schätzen.

In der Schweiz und in Schweden, wo es elektronische Rezepte gibt, liege der Anteil des Online-Handels bei zehn Prozent. „Es spricht nichts dagegen, dass es in Deutschland auch in die Richtung geht“, sagte Oberhänsli. In Schweden sei der Anteil in vier Jahren erreicht worden. Zur Rose hat eine Technologie für E-Rezepte entwickelt, die gerade mit der Techniker-Krankenkasse ausprobiert wird. Ob sich dieser Standard durchsetze oder ein anderer, sei aber egal. „Ich möchte ja gar nicht auf meinem Grabstein stehen haben: Er hat Deutschland mit dem elektronischen Rezept beglückt“, sagt Oberhänsli.

Der Schweizer hält an seiner Idee von Medikamentenautomaten trotz einer vorläufigen Niederlage vor Gericht fest. Die Automaten werfen Arznei aus, nachdem der Kunde über einen Bildschirm einen Apotheker konsultiert hat. Das Verwaltungsgericht Karlsruhe hatte Anfang April das Verbot eines solchen DocMorris-Automaten in Hüffenhardt in Baden-Württemberg bestätigt. Oberhänsli erwägt Berufung. „Ich bin mir sicher, dass die Automaten kommen werden. Ich weiß nur nicht, wann. Sie erfüllen einen Bedarf in strukturschwachen Gegenden.“

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