Kommentar

Jamaika: Warum ein Rx-Versandverbot wichtig ist Patrick Hollstein, 01.11.2017 12:57 Uhr

Berlin - Noch drei Wochen haben sich die Jamaika-Unterhändler verordnet, um sich auf die Eckpunkte für mögliche Koalitionsgespräche zu einigen. Für die Apotheker geht es bereits in dieser frühen Phase um viel. Die „Frage des Versandhandels“ muss dringend geklärt werden. Sonst verliert die Branche vier wichtige Jahre, in denen über ihre Zukunft entschieden wird. Ein Kommentar von Patrick Hollstein.

Dutzende Themen stehen in den Sondierungsgesprächen auf dem Programm, hunderte Detailfragen müssen geklärt werden. Offensichtlich wollen sich CDU/CSU, FDP und Grüne sicher sein, dass in den Koalitionsverhandlungen nichts schief geht. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass in einem möglichen Dreierbündnis nichts dem Zufall überlassen werden soll. Kommt Jamaika zustande, werden die vereinbarten Inhalte in den nächsten vier Jahren abgearbeitet. Mit Überraschungen ist dann – wie schon zuletzt in der Großen Koalition – kaum zu rechnen.

Schon vor Beginn der eigentlichen Koalitionsverhandlungen müssen daher die Lobbyisten zu Hochtouren auflaufen. Denn bereits jetzt wird das Regierungspaket festgezurrt. Auch für die Apotheker werden die kommenden drei Wochen entscheidend sein: Bringen CDU/CSU das Rx-Versandverbot nicht durch, dürfte das Thema endgültig beerdigt sein. Dann können die EU-Versender an der Börse weiter Kapital einsammeln und in ihre Wachstumsstory investieren. Die Apotheken vor Ort müssten weiter zusehen, wie ihr Markt aus sicherer Entfernung und mit großen Geschützen sturmreif geschossen wird.

Ganz richtig hat die Union daher nicht nur die „Frage des Versandhandels“ auf die Agenda gesetzt, sondern die „flächendeckende Apothekenversorgung“ insgesamt. Denn es geht längst nicht mehr um die Frage, ob irgendwelche umtriebigen Gründer mit Nerd-Brille im niederländischen „Exil“ ein paar Arzneimittel in Päckchen packen. Es geht um die Frage, ob deutsche Patienten künftig in großem Stil aus dem Ausland mit Medikamenten versorgt werden. Ob deutsche Apotheken schließen müssen, damit holländische Firmen zu Lieblingen des Kapitalmarkts werden. Oder damit Amazon die Versorgung kranker Menschen zum Teil seiner Plattformökonomie machen kann.

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