Pfusch-Prozess: AOK errechnet Sterberate

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Berlin -

Eine deutlich höhere mittlere Überlebensrate hätten die Patienten der Alten Apotheke in Bottrop gehabt, behauptete die Verteidigung von Apotheker Peter S. zum Auftakt des Pfusch-Prozesses vor dem Landgericht Essen im November. Nun mischt sich die AOK Rheinland/Hamburg ein und liefert lange geforderte Daten: Nach internen Auswertungen der Kasse hatten Patienten, die mit Ware von Peter S. behandelt wurden, schlechtere Heilungschancen als die, die ihre Medikamente aus einer anderen Apotheke bezogen hatten. Das berichten die Rheinische Post und das Recherchenetzwerk Correctiv.

In der Untersuchung haben die Experten der Kasse die Fälle von Versicherten untereinander verglichen, die zwischen 2009 und 2016 unter anderem an Brustkrebs, Leukämie und Lymphomen erkrankten. Insgesamt konnte die AOK laut Bericht 170 Leidenswege betroffener Patienten rekonstruieren. Diese Daten wurden mit den Daten von rund 13.000 AOK-versicherten Patienten verglichen, die ihre Medikamente bei vergleichbarer Erkrankung aus anderen Apotheken bekamen. „Endgültige Aussagen kann nur eine größere Untersuchung bieten, an der mehr Kassen teilnehmen.“ Insgesamt hätten mehr als 4000 Menschen Medikamente aus der Alten Apotheke bezogen.

Die Ergebnisse seien weitgehend eindeutig, schreibt die Rheinische Post. Laut diesen anonymisierten Daten seien von rechnerisch 100 Patienten mit Leukämie (C81) und Lymphomen (C96), die ihre Arzneimittel aus der Alten Apotheke bekamen, bislang 67,3 verstorben. In der Vergleichsgruppe seien es dagegen nur 45,9 Menschen.

52 Patienten, die über die Alte Apotheke mit Zytostatika versorgt wurden, wurden mit 5140 Patienten anderer Apotheken verglichen. „Nicht mal mehr jeder fünfte Patient, der seine Medikamente aus der Bottroper Apotheke bekam, lebt noch“, so die Rheinische Post. In der Vergleichsgruppe habe fast jeder Zweite überlebt. Die Überlebenschance sinke mit fortschreitender Lebensdauer rapide. Ein Sprecher der Krankenkasse bestätigte gegenüber der Rheinischen Post die Zahlen. Es handele sich allerdings „um erste interne Analysen“, die „noch nicht abgeschlossen“ seien. Zu den Ergebnissen wolle er keine Stellung nehmen.

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