Zyto-Skandal

NRW will Apotheken kontrollieren

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Berlin -

Als Konsequenz aus dem Bottroper Zyto-Skandal hat das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium unangekündigte Apothekenkontrollen angekündigt. Bis zum 30. Juni wollen die Gesundheitsbehörden alle Betriebe mit Sterilherstellung überprüfen und die Ergebnisse anschließend „zeitnah und in geeigneter Weise“ veröffentlichen.

Die Ankündigung folgte auf ein Treffen von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) mit 13 Betroffenen des Bottroper Apothekerskandals. Wie das Recherchenetzwerk Correctiv berichtet, soll pro Zyto-Apotheke mindestens eine Probe genommen und vom Landeszentrum Gesundheit (LZG) untersucht werden. Die Gesundheitsbehörden sollen die Inspektionsergebnisse dann bis zum 15. Juli schriftlich an das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MASG) melden.

Eine verbindliche Zusage, dass derartige Kontrollen in Zukunft in regelmäßigen Abständen stattfinden, gab das Ministerium den Betroffenenvertretern nicht. „Zunächst einmal müssen die Ergebnisse der oben genannten Überprüfungen vorliegen, um über die Frage entscheiden zu können, welche Intervalle bei den Prüfungen nötig und sinnvoll sind“, zitiert Correctiv das MASG. Laumann sei jedoch der Ansicht, dass „inhaltlich und und zeitlich engmaschige Kontrollen erforderlich sind“.

Bereits 2012 hatte das LGZ fast 200 Zubereitungen von knapp 100 Zytoapotheken aus NRW kontrollieren lassen. Im Rahmen der bundesweit einmaligen Aktion „Zytok“ wurden aus jeder Apotheke zwei 5-Fluorouracil-Zubereitungen gezogen. Die Stadt Bottrop weigerte sich allerdings zusammen mit Gelsenkirchen und Recklinghausen, an dem Projekt teilzunehmen. Daher wurden etwa 40 Zytoapotheken in NRW nicht kontrolliert, unter ihnen auch die Alte Apotheke. Scheinbar hatte man in Bottrop „datenschutzrechtliche Bedenken“.

Weitere Zusagen machte das Ministerium an die Adresse weiterer möglicher Opfer. Man wolle juristisch prüfen lassen, ob es möglich ist, die Namen von Ärzten zu veröffentlichen, die von der Alten Apotheke beliefert wurden. „Immer noch wissen nicht alle Patienten, dass sie überhaupt betroffen sind“, sagte Martin Prowoll, der ehemalige kaufmännische Leiter der Apotheke, der den Betrug seines einstigen Chefs ans Licht brachte. „Insbesondere Dorsten und südliches Münsterland, Niederrhein und Düsseldorf sind immer noch weitestgehend schwarze Flecken auf der Skandalkarte.“Das Ergebnis der juristischen Prüfung soll laut Ministerium bis Pfingsten vorliegen.

Auch aus der Veröffentlichung einer Patientenvergleichsstudie, die die AOK Rheinland/Hamburg hatte anfertigen lassen, sollen Konsequenzen gezogen werden. Das Ministerium will einen unabhängigen Gutachter prüfen lassen, ob eine derartige Vergleichsstudie sinnvoll ist und sie dann gegebenenfalls in Auftrag geben. Ende März hatten Correctiv und Rheinische Post davon berichtet, dass die Kasse in einer internen Studie die Überlebensraten von Patienten verglichen hatte, die zwischen 2009 und 2016 unter anderem an Brustkrebs, Leukämie und Lymphomen erkrankten. Demnach starben vier von fünf Patienten, die mit Zytostatika aus Bottrop beliefert wurden, während in der Vergleichsgruppe die Hälfte überlebte.

Zwar sind die Ergebnisse aufgrund der geringen Datenlage statistisch nicht haltbar, allerdings geben sie aufgrund ihrer Eindeutigkeit „einen deutlichen Hinweis darauf, wie verheerend die Folgen des Panschskandals für die betroffenen Patienten sind“, schreibt Correctiv. Das Ministerium kündigte nun an, es werde „klären, ob hier ein unabhängiges Gutachten wissenschaftlich belastbare Erkenntnisse liefern kann“ und „dabei auch den Dialog mit den Krankenkassen suchen“.

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