Zyto-Skandal

Pfusch-Prozess: Amtsapothekerin muss aussagen APOTHEKE ADHOC, 31.01.2018 15:23 Uhr

Berlin - Warum bemerkten die Behörden nicht, dass Peter S. jahrelang Krebsmedikamente streckte? Zu dieser Frage musste heute vor dem Landgericht Essen die zuständige Amtsapothekerin aussagen. Sie hatte zuvor versucht, die Aussage zu verweigern.

Die Amtsapothekerin war verantwortlich für die Überwachung der Alten Apotheke. Zwischen 2001 und 2016 führte sie drei offizielle Kontrollen durch, bei denen die Panschereien aber unentdeckt blieben. In der vergangenen Woche hatte eine Pharmazeutin aus der Alten Apotheke ausgesagt, die Amtsapothekerin habe mit S. Kaffee getrunken, bevor die Kontrolle begann.

Die Amtsapothekerin sollte eigentlich schon im November aussagen, der Termin wurde aber wegen Krankheit verschoben. Gleich zu Beginn der Verhandlung heute beantragte ihr Anwalt ein umfassendes Zeugnisverweigerungsrecht, wie das Recherchekollektiv Correctiv berichtet. Die Staatsanwaltschaft und die Anwälte der Nebenklage lehnten den Antrag ab. Die Verteidiger von S. wollen der Amtsapothekerin das Verweigerungsrecht zugestehen. Der Richter lehnte den Antrag schließlich ab, einzelne Fragen könne sie allerdings verweigern.

Sie sei immer mit S. und der Alten Apotheke in Kontakt gewesen, berichtete die Amtsapothekerin L., er sei immer sehr schnell gewesen. Als 2016 das neue Labor abgenommen wurde, habe es drei Mängel gegeben. Kurz darauf habe S. schriftlich gemeldet, dass diese beseitigt seien. Es sei üblich, dass sich Amtsapotheker das Abstellen von Mängeln per Unterschrift bestätigen lassen und nicht selbst vor Ort noch einmal kontrollieren.

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