Zyto-Skandal in Bottrop

Opfer-Demo in Sträflingskleidung Tobias Lau, 13.09.2018 15:23 Uhr

Berlin - Für die Betroffenen des Bottroper Apothekenskandals ist der Kampf mit der Verurteilung von Peter Stadtmann längst nicht zu Ende. Am Mittwoch trafen sich Dutzende von ihnen in Sträflingskleidung zu einer Demonstration vor der ehemaligen Alten Apotheke. Sie wollten sich für die Unterstützung bedanken, verlangen aber auch, dass die Aufarbeitung jetzt nicht im Sande verläuft. Besonders auf Politik und Behörden sind sie sauer.

„Mit dem vorläufigen Urteil sind alle etwas lethargisch geworden – und das, obwohl wir längst noch nicht alles erreicht haben, was wir erreichen wollen“, erzählt Heike Benedetti, die sich in den vergangenen anderthalb Jahren als Sprecherin der Opfervertreter einen Namen gemacht hat. Vor ziemlich genau einem Jahr kamen die Betroffenen erstmals vor der mittlerweile in City Apotheke umbenannten Alten Apotheke zusammen, um zu demonstrieren. Seitdem ist viel passiert, der Fall schlug politische Wellen, führte zu einer Umstrukturierung der lokalen Apothekenüberwachung, zu einer landesweiten Kontrollkampagne von Sterillaboren und nicht zuletzt zur Verurteilung des Hauptschuldigen Peter Stadtmann zu zwölf Jahren Haft.

Damit habe man aber nur an der Oberfläche gekratzt, kritisiert Benedetti. Vor allem das Verhalten von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) bringt sie zur Weißglut. „Der kann seinen Hut nehmen!“ Sein Krisenmanagement sei absolut unzureichend gewesen. „Der hat nicht mal einen Krisenstab einberufen“, bemängelt sie und führt aus, dass auch die Apothekenkontrollen des vergangenen Sommers „ein Witz“ gewesen seien. „Diese Apothekenüberwachung kann er sich an die Wand nageln!“

Laumann hatte im angekündigt, dass es in den Folgemonaten Kontrollen aller Zyto-Labore geben wird – „und trotzdem war noch einer dabei, der gepanscht hat! Außerdem gab es in jeder der kontrollierten Apotheke Mängel“, zeigt sie sich empört. „Für Krebspatienten ist das doch wie Russisch Roulette!“

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