Pfusch-Apotheker: Opfer fordern 120 Millionen Euro

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Berlin -

Zwölf Jahre Haft lautete das Urteil Angang Juli für den Bottroper Apotheker Peter Stadtmann. Gegen das Urteil haben Anklage und Verteidigung Revision eingelegt. Wegen Betrugs und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz in 14.000 Fällen muss der Apotheker hinter Gitter. Außerdem wurde ein lebenslanges Berufsverbot verhängt. „Doch seine Opfer warten noch immer auf Entschädigung!“, schreibt die Bild-Zeitung.

Die Richter sehen es als erwiesen an, dass Stadtmann in der Alten Apotheke in Bottrop aus Habgier und um seinen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren über mehre Jahre Sterilrezepturen absichtlich zu niedrig dosiert hat. Die Medikamente seien in ihrer Qualität „nicht unerheblich“ gemindert und Stadtmann schuldig. Es soll eine Schaden von 17 Millionen Euro entstanden sein.

Laut Bild fordern die Opfer einen staatlichen Entschädigungsfonds von 120 Millionen Euro. „So viel Schmerzensgeld und Schadenersatz können maximal 4800 Geschädigte geltend machen – 25.000 Euro pro Fall“, schreibt die Bild. Alles in allem geht es um 120 Millionen Euro. Trotz Luxusvilla und Wasserrutsche reiche das Vermögen des 48-jährigen Apothekers nicht aus, um die Entschädigung zahlen zu können. Daher fordern die Anwälte der Opfer einen staatlichen Fonds – ähnlich dem Contergan-Fall.

„Der Richter hat beim Urteil gesagt, es ist auch die Geschichte eines Behördenversagens. Niemals gab es auch nur eine Kontrolle in all den Jahren. Es gab neben der Unterdosierung auch massive Hygieneverstöße. Das heißt im Klartext, auch die Aufsichtsbehörden tragen durch Unterlassen eine Mitschuld“, wird der Anwalt der Nebenklage Ali Mohammed zitiert. Stadtmann sei nicht allein schuldig. Auch die Stadt Bottrop und der Recklinghausen tragen laut Bild eine Mitverantwortung. Das Land Nordrhein-Westfalen muss sich gegen Vorwürfe wehren, bei der Gesundheitsaufsicht versagt zu haben, schließlich war der Betrug mehrere Jahre lang niemandem aufgefallen.

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