Zyto-Skandal

12 Jahre Haft für Pfusch-Apotheker APOTHEKE ADHOC, 06.07.2018 11:22 Uhr aktualisiert am 06.07.2018 12:26 Uhr

Berlin - Der Bottroper Apotheker Peter Stadtmann muss für zwölf Jahre ins Gefängnis. Das hat der Vorsitzende Richter laut Correctiv soeben verkündet. Damit geht der Prozess um einen der größten Medizinskandale der Nachkriegsgeschichte in erster Instanz zu Ende. Für die Opfer ist das Leid damit allerdings nicht vorbei, denn für die meisten bleibt die Ungewissheit.

Die Richter sehen es als erwiesen an, dass Stadtmann in der Alten Apotheke in Bottrop aus Habgier und um seinen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren über mehre Jahre Sterilrezepturen absichtlich zu niedrig dosiert hat. Die Medikamente seien in ihrer Qualität „nicht unerheblich“ gemindert gewesen, Stadtmann sei schuldig, in 14.000 Fällen gegen das Arzneimittelgesetz (AMG) verstoßen zu haben. Außerdem sehe man 59 Betrugsfälle als erwiesen an. Die Richter verhängten auch ein lebenslanges Berufsverbot.

In der Anklage war noch von 62.000 Fällen die Rede. Außerdem legte das Gericht den Schadenswert geringer an: Statt von 56 geht das Gericht von 17 Millionen Euro Schaden aus. Dieser Betrag soll nun eingezogen werden. Für Mord, Körperverletzung oder versuchten Mord wird Stadtmann jedoch nicht verurteilt. Die Anklage hatte das gefordert.

Das AMG sei ein scharfes Schwert, in diesem Fall ein „Rettungsanker“, da Körperverletzung oder Mord in diesem Fall nur schwer nachweisbar seien. Daher sei es sehr wohl um die betroffenen Menschen gegangen, auch wenn sie im Verfahren nicht gehört wurden, wird der Richter von Correctiv zitiert. Zu frühes Zuschlagen bei der Razzia in der Alten Apotheke habe aber eine Anklage wegen Körperverletzung verhindert: Staatsanwaltschaft und Polizei hätten am Tag der Razzia nicht gewartet, bis die Zubereitungen in die Auslieferfahrzeuge geladen waren, sondern die Medikamente im Labor vor der Ausgabe an die Fahrer beschlagnahmt. Deshalb sei eine Verurteilung wegen Körperverletzung im Fall der 27 von Stadtmann hergestellten unterdosierten Zubereitungen, die am Tag der Razzia beschlagnahmt wurden, nicht möglich. Der Richter sagte laut Correctiv, diese Infusionen seien noch nicht in den Verkehr gebracht worden und könnten deshalb nicht als versuchte Körperverletzung gewertet werden

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