Pfusch-Prozess

Strategie der Verteidigung stockt APOTHEKE ADHOC, 17.05.2018 15:10 Uhr

Berlin - Die Verteidigung des mutmaßlichen Pfusch-Apothekers Peter S. versucht seit Wochen, die Medikamentenanalysen aus der Alten Apotheke infrage zu stellen. Der pharmazeutische Gutachter Professor Dr. Henning Blume machte den Anwälten einen Strich durch die Rechnung. Er hatte an den angewendeten Methoden wenig auszusetzen.

Blume gab seine Einschätzung zu den Analysemethoden des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und Landeszentrale für Gesundheit (LZG). Nur das LZG habe die beigemischten Hilfsstoffe in seinen Vergleichsmustern genau der Originalrezeptur angepasst. Die Methoden hielt Blume für angemessen, auch wenn Teile neu entwickelt wurden und nicht offiziell akkreditiert seien. Das berichtet Correctiv aus dem Gerichtssaal.

Allerdings bemängelte Blume, dass Dokumentationsmängel die Nachvollziehbarkeit erschwerten. Matthias Heuermann, der stellvertretende Leiter des LZG, räumte ein, dass nicht alle herausgehenden Dokumente in der Qualitätssicherung geprüft würden. Bei der Analyse von Wirkstoffen könne man nicht dieselben Kriterien anwenden wie bei Arzneimittelherstellern. Die Analysen des PEI seien laut Blume weniger spezifisch als die des LZG gewesen, aber die Systematik erschien dem Sachverständigen plausibel.

Das LZG hatte im November 2016 eine Razzia im Zytolabor der Alten Apotheke und eine Wirkstoffprüfung der beschlagnahmten Krebstherapien durchgeführt. Der stellvertretende Leiter Christoph Luchte sagte laut Correctiv, er sei unsicher gewesen, genügend Kapazitäten für den Fall zu haben. Darum habe er das PEI hinzugezogen.

Das PEI untersuchte sowohl die 29 Zubereitungen mit monoklonalen Antikörpern, die am Tag der Razzia in der Alten Apotheke beschlagnahmt wurden, als auch den Infusionsbeutel, den PTA Marie Klein zur Polizei gebracht hatte. Die Mitarbeiter des PEI hätten die Zubereitungen mit Sichtkontrolle, Proteinbestimmung, molekulare Gewichtsverteilung, SDS-Elektrophorese und der isoelektrischen Fokussierung untersucht und mit einer Referenzprobe verglichen, wie der ehemalige Leiter der medizinischen Abteilung, Siegfried Giess, zuvor ausgesagt hatte.

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